Kraftklub im Interview: „Nicht alle finden uns gut“

Traten bei Stefan Raab schon mal nackt auf, machen aber auch in Schwarz eine gute Figur: Sänger Felix Brummer (vorn) mit seinen Chemnitzer Kraftklub-Kollegen (von links) – seinem Bruder Till, Steffen Israel, Max Marschk und Karl Schumann. Foto: Voy /Universal

Kassel. Manche halten die Chemnitzer Band Kraftklub schon für das Sprachrohr einer Generation. In jedem Fall macht ihr Mix aus Indierock und HipHop viel Spaß. Wir sprachen mit Sänger Felix Brummer.

Kraftklub und ihren Mix aus Indierock, HipHop und wütenden Texten muss man einfach gut finden. Nach dem zweiten Nummer-eins-Album wurde die Chemnitzer Band zuletzt sogar von Kabarett-Fans in der ZDF-Satire-Sendung „Die Anstalt“ gefeiert, wo das Quintett den Song „Schüsse in die Luft“ spielte.

Darin geht es um die politische Orientierungslosigkeit der Jugend. Frontmann Felix Brummer singt: „Oder gib die Schuld ein paar anderen armen Schweinen. Hey, wie wäre es denn mit den Leuten im Asylbewerberheim?“ Darüber sprachen wir mit dem 25-Jährigen, der mit seiner Band am 22. Februar in der Kasseler Stadthalle spielt.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Auftritt in Kassel? 

Felix Brummer: Das war 2011. Wir waren eine kleine Band aus Chemnitz und hatten noch kein Album draußen. Damals hörte es sich völlig absurd an, dass 350 Leute 15 Euro für unser Konzert im K 19 ausgeben würden. Das war abgefahren. Da wussten wir, dass was passiert mit der Band. Seither haben wir eine ganz besondere Beziehung zu Kassel.

Hätten Sie vor eineinhalb Jahren gedacht, als Sie „Schüsse in die Luft“ schrieben, dass der Song durch Pegida einmal so aktuell werden würde? 

Brummer: Für mich war der Song auch damals schon wichtig. Ich hätte diese Scheiße jetzt nicht gebraucht, um zu wissen, dass ich einen guten Song geschrieben habe. An keinem anderen Lied habe ich so lang gearbeitet, eineinhalb Jahre. Anfangs klang es immer peinlich zeigefingermäßig.

Auch in Chemnitz gibt es zwar einen Pegida-Ableger. „Chemnitz wehrt sich“ ist noch deutlich radikaler als in Dresden. Ich weigere mich aber, das als ostdeutsches Phänomen zu sehen. Weder in Chemnitz noch in Cottbus oder Rostock gehen die Massen auf die Straße.

Haben Sie eine Erklärung dafür, dass wirklich alle Sie toll finden? Selbst das ältere ZDF-Publikum? 

Brummer: Es gibt schon diejenigen, die sagen: „Meine Musik ist es nicht, aber die Texte sind ganz pfiffig.“ Ich finde es aber schon schön, dass uns eben nicht alle toll finden. Gerade jetzt, wo sich viele politisch weiter rechts positionieren, gibt es gut Gegenwind für uns. Das gefällt uns.

Den Vorwurf des Ausverkaufs haben Sie in dem lustigen Song „Unsere Fans“ gekontert, in dem es heißt: „Unsere Fans haben sich verändert, unsere Fans haben sich verkauft. Unsere Fans sind jetzt Mainstream.“ Wie reagieren die Anhänger von einst auf Ihren Erfolg? 

Brummer: Unterschiedlich. Es gibt tatsächlich Fans, die uns jetzt richtig scheiße finden. Wir waren anscheinend mal eine Hipster-Band. Hipster sind in dem Fall Leute, die Sachen gut finden, weil sie niemand anders gut findet. Und sobald jemand anders das dann hört, heißt es: „Ach nee, das ist mir zu blöd.“ Die eigentlichen Verlierer sind diese Leute selbst. Du findest etwas gut und lässt es dir wegnehmen, weil es im Radio läuft. Das ist ein sehr spaßbefreites Leben.

Auch Kassel hat mit Milky Chance junge Pop-Helden. Ist es heute für Musiker egal, ob man in Berlin oder der Provinz lebt? 

Brummer: Auf jeden Fall. Milky Chance sind das beste Beispiel dafür. Du musst nicht aus Berlin kommen, um fetzige Musik zu machen. Wenn du fetzige Musik machst, dann machst du einfach fetzige Musik. Sie wird sich schon ihren Weg bahnen. Der Erfolg von Milky Chance ist unglaublich. Im Mai 2013 habe ich sie nach Chemnitz in den Club Atomino geholt. Damals fing es gerade an mit ihnen. Ich sagte: „Wenn wir auf Tour gehen, würde ich euch gern als Support mitnehmen.“ Sie antworteten: „Geil, machen wir.“ Und dann werden sie plötzlich Superstars und holen in den USA Gold. Ich dachte: „Meine Fresse, was geht denn hier ab?“

Einer Ihrer Hits heißt „Ich will nicht nach Berlin“. Und Sie ziehen vorerst wirklich nicht in die Hauptstadt? 

Brummer: Nein. Am Anfang hat man in Chemnitz versucht, uns ein bisschen zu vereinnahmen, aber wir haben uns da rausmanövriert. Niemand sieht uns mehr als Stadtmaskottchen. Wir fühlen uns wohl da, aber wir schwenken auch keine Fahnen mit dem Namen unserer Stadt drauf.

Von Matthias Lohr

  

Kraftklub live: 22. Februar, 19.30 Uhr, Stadthalle Kassel. Tickets: 0561/203-204. Kraftklub spielen auch beim Eschweger Open Flair (5. bis 9. August).

Zur Person

Felix Brummer (25)

Karriere: Felix Brummer (eigentlich Felix Kummer) wuchs in Chemnitz auf. Seine Eltern waren zu DDR-Zeiten Mitglieder der Avantgarde-Band AG Geige. 2010 gründete der Sänger mit Bruder Till und Freunden Kraftklub. Schon das Debüt „Mit K“ wurde 2012 ein Riesenerfolg.

Aktuelles Album: „In Schwarz“

Privates: Lebt in Chemnitz, mehr verrät er nicht.

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