Das Musical „Aschenputtel“ war in der Stadthalle zu erleben

Nicht nur bildhübsch

Bezaubernd: Stefan Peters (von links) als Knecht, Sabrina Sauer als Magd, Catrin Omlohr als Stiefmutter, Silvana Schollmeyer als Aschenputtel und Katharina Becker als Stiefschwester. Foto: Hedler

Kassel. Obwohl sie jederzeit fleißig und lieb ist, wird sie von ihrer kaltherzigen Schwiegermutter beschimpft und zum Arbeiten abkommandiert: Aschenputtel. Wer kennt die liebenswerte junge Frau aus dem Grimm-Märchen nicht, die von der Gedemütigten zur freudestrahlenden Prinzessin aufsteigt? Am Samstagnachmittag gab es das Grimm-Märchen als Musicalfassung in der Kasseler Stadthalle zu erleben.

Es gibt Musical-Produktionen, die betreiben einen bombastischen technischen Aufwand, erreichen aber nicht die Herzen des Publikums. Bei der Familienmusical-Produktion, die das Theater Liberi präsentierte, war es umgekehrt. Die Technik spielte eine Nebenrolle, die überaus liebenswert gezeichneten Figuren (Text und Regie: Helge Fedder), ihr Charme und auch das komödiantische Potenzial der Darsteller, begeisterten und berührten die Herzen der 550 Besucher, darunter viele Kinder – überwiegend Mädchen zwischen vier und neun.

Die erlebten nicht nur eine böse, überdrehte Stiefmutter (Catrin Omlohr) und ein anmutiges, liebevolles und bildhübsches Aschenputtel (Silvana Schollmeyer), sondern auch eine Stiefschwester (Katharina Becker), die gar nicht zickig, sondern richtig freundlich ist, eine überaus witzige Taube, die sich als Fee (Sabrina Sauer) entpuppt, einen König (Stefan Peters), der am liebsten über seine eigenen Witze lacht, und einen Hofnarren, der sich selbst überhaupt nicht komisch findet. Auch einen französischen Hofkoch, der lieber Bäcker sein möchte, und den netten, schüchternen Prinzen (Markus Peters), der sich – zunächst als Bote getarnt – bis über beide Ohren in Aschenputtel verliebt, schlossen die Kinder schnell ins Herz.

Die Musik war eingängig gestrickt und ging leicht ins Ohr. Großes Lob auch für die Idee, das Grimm-Märchen kinderfreundlicher zu präsentieren. Die brutale Verstümmelung aus dem Original – Zehen und Fersen werden abgeschnitten, damit der Schuh passt – entfällt.

Stattdessen wird gekalauert: „Un nu? Ruckedidu, sie will kein Blut im Schuh“, ruft die Taube und die Stiefmutter entschuldigt sich reumütig. Lautstarker Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.