Sieben Pläne, mit denen Dieter Wedel als Intendant die Bad Hersfelder Festspiele attraktiver machen will – Eine Einordnung

Nicht nur das Bühnengeschehen zählt

Mit neuen Ideen: Dieter Wedel stellte das Programm für die Festspiele 2015 vor. Foto:  Konopka

Bad Hersfeld. Der Besuch der Bad Hersfelder Festspiele soll wieder ein außerordentliches Ereignis werden. Ein Erlebnis mit Eventcharakter, das mit dem Stadttheater, das die Menschen aus ihren Heimatorten kennen, wenig zu tun hat. Das verspricht der neue Intendant Dieter Wedel. Eine Zusammenfassung und erste Einordnung seiner Pläne für die Saison 2015 in sieben Punkten.

1Eröffnung mit William Shakespeares „Komödie der Irrungen“: Wedel wählt ein wenig gespieltes Shakespeare-Stück, das er aber in eine neue Fassung bringt und aktualisieren will.

Nicht unriskant. Das klassische Schauspiel hat es in Bad Hersfeld ohnehin etwas schwerer als das Musical. Hier kommt es extrem auf die Darstellernamen an. Wedel hat ja durchblicken lassen, dass er den einen oder die andere aus der Promiriege holt.

2Der im Sommer geschasste Intendant Holk Freytag inszeniert Kleists Lustspiel „Der zerbrochne Krug“.

Ein Coup – wenn es gut gemacht wird. Wedel nimmt Schärfe aus dem Konflikt dieses Sommers, indem er Freytag als normalen Regisseur engagiert. Und er zeigt sich uneitel, indem er dem Vorgänger solchen Raum gibt. Dennoch gilt: Freytags Produktion wird besonders kritisch beäugt werden, da ist es umso wichtiger, dass nicht – extrem gesprochen – alle verpflichteten Stars im Wedel-Stück auf der Bühne stehen, sondern auch der „Krug“ einen prominenten Hauptdarsteller für die Rolle des Dorfrichters Adam bekommt. Dieses Zugpferd braucht das Stück.

3Wedel will die Stücke wochenweise en bloque spielen lassen und nicht, wie bisher, täglich abwechseln. Das spare viel Umbauerei und erhöhe dadurch die Qualität, besonders beim Licht. Außerdem verkürzten sich die Schauspielerengagements, das kommt dem Budget zugute.

Sinnvoll und nachvollziehbar. Das Gegenargument, dass Besucher für zwei oder drei Übernachtungen in die Stadt anreisen, um sich verschiedene Stücke anzusehen, hat Wedel sofort entkräftet, indem er berichtete, er habe sich beim Ticketing erkundigt: So etwas käme quasi nicht vor. Dies ist ein Punkt, bei dem man am Ende der Saison die einzelnen Faktoren besonders kritisch prüfen und abwägen muss.

4Die Tribüne soll umgebaut werden. Dadurch wird die Zahl der Plätze um 400 reduziert, es gibt aber mehr Beinfreiheit und mehr Zugänge in den Zuschauerraum. Damit soll die Sicherheit erhöht werden – bei Notfällen kann schneller reagiert werden.

Wunderbar. Endlich werden alte, vermeintlich fest zementierte Konventionen über Bord geworfen. Klar, das ist eine Investition, aber die Beliebtheit der Festspiele hängt eben nicht nur vom Bühnengeschehen, sondern auch von solchen Faktoren ab. Es ist wichtig, dass diese Elemente in der Gesamtbetrachtung das nötige Gewicht bekommen.

5Bei längeren Stücken soll es Pausen geben. Das wird auch durch die neue Sitzanordnung möglich, die in der Stiftsruine schnelleres Rein und Raus ermöglicht.

Gut. Die Pausen gehören zum Theatererlebnis dazu, Man möchte gern seinen Sekt trinken und über die Aufführung quatschen. Oder mal die Toilette aufsuchen. Nicht unwichtig.

6Die Darsteller benutzen nicht mehr nur beim Musical tragbare Mikrofone.

Sinnvolle Modernisierung. Klar ist es toll, dass Schauspieler so gut ausgebildete Stimmen haben, dass sie die Ruine auch so akustisch füllen können. Doch nuancierteres Sprechen und bessere Verständlichkeit sind wichtigere Aspekte.

7 Die Preise werden im Schnitt um zehn Prozent erhöht, besonders in den besseren Kategorien wird aufgeschlagen. Die teuerste Karte kostet aber noch unter 100 Euro, nämlich 99 Euro.

Verständlich. Und: Die privaten Musicals kosten wesentlich mehr. Immerhin kann man auch für 29 Euro in der Stiftsruine ein Stück anschauen: Das ist noch überschaubar.

Von Bettina Fraschke

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