Mit R.E.M. verabschiedet sich nach zahlreichen mauen Alben eine der letzten großen Rockbands

Es ist nicht das Ende der Welt

Sie machen jetzt Feierabend: Die R.E.M.-Musiker (von links) Mike Mills, Michael Stipe, Bill Berry and Peter Buck im Jahr 1994. Seit 1997 war die Gruppe ohne Berry nur noch zu dritt. Foto: Warner

Man musste Anfang März nicht einmal zwischen den Zeilen lesen, um die Meldung zu erahnen, die sich fünfeinhalb Monate später wie ein Virus über das Internet verbreitete. Auf die Frage, ob es das vielleicht gewesen sein könnte mit R.E.M., antwortete Bassist Mike Mills im Interview mit unserer Zeitung: „Wir haben einfach noch nicht beschlossen, ob es eine Zukunft für R.E.M. gibt.“

Am Mittwochabend gaben Mills, Michael Stipe und Peter Buck bekannt, dass sie für ihre Band keine Zukunft mehr sehen. 31 Jahre nach ihrer Gründung löst sich eine der erfolgreichsten Rockgruppen auf. „Let’s call it a day“ lautete die Nachricht auf ihrer Webseite, was so viel heißt wie: „Machen wir Feierabend.“

Darunter stand ein Foto, auf dem die drei Musiker in schwarzen Anzügen vor einer grauen Häuserwand ins Nirgendwo zu spazieren scheinen. „Ich hoffe, dass unsere Fans verstehen, dass dies keine einfache Entscheidung war“, schrieb Sänger Stipe, „aber alle Dinge müssen enden, und wir wollen es richtig tun, auf unsere Weise.“

Trotz einiger Interview-Aussagen von Mills anlässlich des im März erschienenen 15. R.E.M.-Albums „Collapse Into Now“ traf das einige Fans unerwartet. Sie richteten schnell die Webseite www.thankyourem.com ein, wo sie sich für all die wundervollen Lieder bedankten, mit denen die Band aus Georgia die Welt verzückte, seit ihr 1991 mit dem Hit „Losing My Religion“ der weltweite Durchbruch gelungen war.

Mit ihrem College-Rock, der Folk- und Punk-Elemente verband, waren sie vorher schon eine bekannte Indie-Band. In den 90ern wurden sie vor allem dank Midtempo-Balladen wie „Man On The Moon“ zu einer der größten Stadionrock-Bands. R.E.M. schafften es, eingängige Lieder zu schreiben und doch anspruchsvoll zu sein. „Sie können R.E.M. als simple Gebrauchsmusik verstehen, das ist okay“, sagte Stipe einmal, „aber wer mehr will, kann bei uns eine Menge entdecken: Farben, komplexe Strukturen und so weiter.“

Das lässt sich auch an der wunderschönen Berlin-Hymne „Überlin“ festmachen, die das Trio für ihre letzte Platte in der Hauptstadt aufgenommen hatte. Allerdings war der Rest von „Collapse Into Now“ wie schon bei den Vorgängeralben ziemlich belanglos.

So gesehen haben sich R.E.M. rechtzeitig aufgelöst, bevor sie peinlich wurden. Das kann man von anderen Rock-Dinosauriern wie U2 nicht behaupten. Es ist darum eine gute Gelegenheit, noch einmal den Hit „It’s The End Of The World As We Know It (And I Feel Fine)“ aus dem Jahr 1987 mitzusingen. Natürlich ist der Schlussstrich von R.E.M. nicht das Ende der Welt. Wir fühlen uns aber auch deshalb gut, weil es wahrscheinlich nicht lang dauert, bis Michael Stipe sein erstes Soloalbum herausbringt.

Von Matthias Lohr

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