Raz Ohara betört mit Soul und Elektronik

Nicht ganz von dieser Welt

Raz Ohara

Musik komme einfach zu ihm sagte Raz Ohara einmal im Interview. Wenn man sich wie der in Berlin lebende dänische Musiker beim Komponieren, Singen und Texten vor allem von Gefühlen und spontanen Eingebungen leiten lässt, ist man dem schönen Mythos von der irrationalen Magie, die sogar in der Popmusik stecken kann, ein Stück näher gerückt. Auf solche Gedanken kam man beim Anhören des ersten namenlosen Albums von Raz Ohara And The Odd Orchestra. Ein wundervolles Stück Musik von berückender Traurigkeit war Ohara und dem Elektronik-Arrangeur Oliver Doerell damit vor zwei Jahren gelungen.

Cineastischer als das Debüt ist das jetzt erschienene Album „II“, auch raumgreifender und insgesamt optimistischer im Ton. Gleichwohl lebt das ätherisch Zarte, alsbald Davonschwebende und als melancholische Erinnerung Zurückkehrende des Debüts hier fort. Erstmals hören wir angejazzte Shuffle-Beats; das Album groovt. Und beteiligt war dieses Mal nicht nur der Spuren verfeinernde Elektroniker Doerell, sondern auch Gitarrist Tom Krimi. Mit ihm improvisierte Multiinstrumentalist Ohara bereits vor einem Jahr die Anfänge von „II“, bevor man sich gemeinsam an die Loops, Bassläufe, Effektgitarren-Sounds und ans Programmieren der Rhythmen setzte.

Wenn Ohara mit der hochfragilen und stets wandelbaren Diskretion eines sanften Soulsängers romantisch enttäuschte Texte vorträgt, ohne deshalb Soul im traditionellen Sinne zu machen, fragt man sich dieses Mal vor allem eines: Aus wie vielen übereinandergelagerten Spuren ist dieser Gesang eigentlich gemacht? Mal erscheint er begehbar wie ein dreidimensionaler Raum, dann wieder klaustrophobisch eng, ohne Ein- und Ausgang. Mehr als einmal klingt Oharas Stimme, als wäre sie nicht ganz von dieser Welt. Eine leicht irritierende Fremdheit liegt in ihr, im Grunde im gesamten Album. Raz Ohara And The Odd Orchestra: II (Get Physical Music / Rough Trade). Wertung: !!!!!

Von Michael Saager

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