Neu im Kino: „Salt“ ist brillantes Actionkino mit einer großartigen Angelina Jolie

Nicht nur Kampfamazone

Ständig auf der Flucht: Evelyn Salt (Angelina Jolie) weiß nicht mehr, wem sie noch trauen kann. Foto:  nh

Nicht auszudenken, was aus diesem Film geworden wäre, wenn, wie vorgesehen, Tom Cruise die Hauptrolle übernommen hätte. Aber stattdessen hat man den Stoff auf eine weibliche Heldin umgeschrieben und die Rolle mit einem ganz anderen Superstar besetzt. Angelina Jolie spielt in Phillip Noyces Actionthriller „Salt“ nun die undurchsichtige CIA-Agentin Evelyn Salt, die der Doppelspionage bezichtigt wird.

Jolie ist eine der wenigen Frauen, die sich im Actionfach behaupten konnte. Sie konnte sich in der Rolle der Lara Croft als weiblicher Haudegen durchsetzen und hat mit Filmen wie „Mr.&Mrs. Smith“ oder „Wanted“ immer wieder Ausflüge ins Actiongenre unternommen. Aber diese Evelyn Salt ist vielleicht die erste amerikanische Actionheldin, die es wirklich mit Ikonen wie James Bond oder Jason Bourne aufnehmen kann.

Dabei mutet der Plot, der die Russen als Feindbild des Kalten Krieges wieder reanimiert, fast schon nostalgisch an. Salt soll nämlich – so behauptet ein russischer Überläufer – in der Sowjetunion bereits als Kind zur Kampfmaschine ausgebildet und als Schläfer in die USA eingeschleust worden sein. Nun will der ehemalige Leiter des KGB-Projektes seine Kämpfer aktivieren und den früheren Klassenfeind vernichten.

„Salt“ ist sicherlich kein Agenten-Thriller, der sich mit aktuellen Realitätsbezügen herausputzen will. Was hier zählt, ist allein Spannung und Action – und die funktionieren in „Salt“ auch ohne politischen Hintergrund sehr gut. Denn Noyce versteht sein Handwerk bestens, vermeidet digitale Effektorgien und verleiht den Kampfszenen und brillant choreografierten Verfolgungsjagden eine ungeheure physische Präsenz.

Angelina Jolie hechtet über mehrere Lastwagen hinweg durch das urbane Highway-Gestrüpp oder verfolgt einen Aufzug, indem sie im Schacht von einer Etage zur nächsten springt. Natürlich hat das nichts mit Realismus zu tun, aber die Gesetze der Schwerkraft bleiben intakt und der Heldin darf man die Anstrengung durchaus ansehen.

Jolie gelingt es, die Unberechenbarkeit ihrer Figur aufrechtzuerhalten, von der man lange Zeit nicht weiß, ob sie nun tatsächlich eine postsowjetische Attentäterin, eine einsame Verteidigerin des amerikanischen Vaterlandes oder eine Rächerin in privater Mission ist, die um die Liebe (August Diehl) kämpft.

Verletzbarkeit und Entschlossenheit liegen da genauso dicht nebeneinander wie die ständig wechselnden Identitäten der Geheimagentin. Die Charakterzeichnung geht hier weit über das Klischee der sexy Kampfamazonen hinaus, die sich seit „Matrix“ im hautengen Latex-Leder-Outfit in die Männerdomäne hineinzuprügeln versuchen.

Als Superheldin strahlt Jolies Agentin Salt eine vollkommen selbstverständliche weibliche Souveränität aus - James und Jason werden sich in Zukunft wärmer anziehen müssen.

Genre: Action

Altersfreigabe: ab 16

Wertung: !!!!!

www.hna.de/kino

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