Posthum: Heute kommt Amy Winehouse' letztes Album raus

Zu früher Tod: Amy Winehouse starb mit 27. Foto:  dpa

Viereindrittel Monate nach ihrem überraschenden Ableben sowie drei Wochen und einen Tag vor dem Heiligen Abend kommt es also nun auf den Markt, das - wenn man es denn so bezeichnen möchte - neue Album von Amy Winehouse.

Es heißt „Lioness: Hidden Treasures“ und straft seinen Titel insofern Lügen, als die Schätze in Giftschränken ihrer Produzenten und Plattenfirma nun eben nicht mehr verborgen sind. Sondern frei zugänglich gemacht wurden mit dem Ziel, dass sich Hunderttausende von Menschen diese Musik gegenseitig in ihre Nikolaussocken stopfen.

Im Interesse der Musikkonzerne ist es, aus ihren Künstlern Kapital zu schlagen - aus den Lebendigen wie aus den Toten. Dass Letztere besonders erfolgreich sind, beweist seit Jahrzehnten Elvis Presley. Außerdem sind sie billiger im Unterhalt, Tote brauchen keine First-Class-Flüge.

Gemessen an den Voraussetzungen und den niedrigen Erwartungen ist „Lioness: Hidden Treasures“ zumindest kein Desaster. Die zwölf Songs umfassende Veröffentlichung wirkt weder unmoralisch noch in einem unangenehm hohen Maße voyeuristisch. Besonders kreativ ist sie freilich auch nicht.

Fotos: Amy Winehouse: Ihr Leben in Bildern

Amy Winehouse: Ihr Leben in Bildern

Im Jahr 2003, damals war sie noch keine 20, kam Amys Debütalbum „Frank“ auf den Markt. 2007 folgte das heute schon legendäre „Back to Black“, das mit seinen Singles wie „Rehab“ zur weltweit meistverkauften Platte des Jahres wurde. Was „Frank“ andeutete, bestätigte „Back to Black“: Die Londonerin Winehouse setzte mit ihrer überwältigenden Stimme und dem einfallsreichen, trotz aller Technik natürlich und echt klingenden Retrosound ihrer von Salaam Remi und Mark Ronson produzierten Platte einen Maßstab, an dem sich in den Folgejahren die Musikerinnen abmühten.

Amy Winehouse war als Mensch und als Musikerin einzigartig. „Lioness. Hidden Treasures“ ist es nicht. Federführend bei der Zusammenstellung war Salaam Remi. Erst vergewisserte er sich der Unterstützung von Amys Eltern, die laut Remi „sehr berührt“ von den Album sein sollen, dann durchforstete er die Archive nach Verwertbarem. Der Älteste der „Hidden Treasures“ ist tatsächlich ein Schatz. Kurz nachdem Remi mit der damals 18-jährigen Amy zu arbeiten begann, nahmen sie eine quirlige Version des Bossa-Nova-Klassikers „Girl from Ipanema“ auf.

Ansonsten gibt es eine Handvoll Songs, die es nicht auf „Frank“ oder „Back to Black“ geschafft haben (etwa „Half Time“, „Our Day will come“), einige hübsch zurückhaltende Alternativ-Versionen („Valerie“, „Tears dry“). Auch drei neue, 2008 und 2009 entstandene Stücke sind dabei: Das melodische, aber nicht weltbewegende „Between the Cheats“, ein Duett mit dem Rapper Nas („Like Smoke“) sowie mit „Song for you“ Amys Verneigung vor ihrem Lieblingssoulsänger Donny Hathaway, der dieses Lied von Leon Russell einst berühmt machte.

„Song for you“ wurde im Frühjahr 2009 aufgenommen, und man hört deutlich, wie brüchig Amys Stimme klingt - das ist rührend, traurig und der bewegendste Moment auf „Lioness“. Mit „Body and Soul“, ihrem Duett mit dem Alt-Crooner Tony Bennett, ist schließlich auch die letzte Aufnahme der Amy Winehouse auf diesem Album zu hören.

Amy Winehouse: „Lioness: Hidden Treasures“ (Island/ Universal), Wertung: 3 von 5 Sternen

Von Steffen Rüth

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