Bruce Springsteen veröffentlicht auf „The Promise“ Stücke aus dem Jahr 1978

Nicht von der Resterampe

Immer noch erste Güte: Bruce Springsteen. Foto:  dpa

Verdächtig ist das schon, wenn kurz vor Weihnachten ein Rockstar eine Doppel-CD mit unveröffentlichtem Material auf den Markt wirft, dazu eine Deluxe-Edition mit DVD und allem Pipapo. Bruce Springsteen hat das getan und mit „The Promise“ (Untertitel „The Darkness On The Edge Of Town Story“) gerade 21 Songs aus dem Jahr 1978 veröffentlicht, die es damals nicht auf das Darkness-Album geschafft hatten.

Doch wer glaubt, Springsteen wollte mit schlechtem Material von der Resterampe einfach nur ordentlich Kasse machen, sieht sich getäuscht. Tatsächlich ist das, was der 61-Jährige da aus der Versenkung geholt hat, Rockmusik erster Güte.

Völlig andere Melodie

Für eingefleischte Fans dürften einige Stücke besonders interessant sein, so zum Beispiel „Candy’s Boy“. Die ersten Verse sind nahezu textgleich mit „Candy’s Room“, das dann tatsächlich auf dem Darkness-Album erschien. Die Melodie ist eine völlig andere.

Mit „Racing In The Street (’78)“ bietet die Neuveröffentlichung eine alternative, rockigere Version des Songs an, der als Motiv Autos, Frauen und die Freiheit auf den amerikanischen Straßen zitiert – wie so viele Springsteen-Songs dieser Zeit. Erstaunlich, wie sehr die Veränderung bei der Musik den Charakter des Stücks in einem neuen Licht erscheinen lässt. Nicht alle Songtexte auf „The Promise“ sind so ausgefeilt und metaphernreich wie die besten Springsteen-Stücke.

In dieser Hinsicht sticht das fast schon legendäre Titelstück „The Promise“ heraus. Der Musiker erzählt – auch das zieht sich durch sein gesamtes Werk – die Geschichte eines Verlierers, es ist die Kehrseite des „American Dream“.

Grandiose Rockstücke

Neben diesen leiseren Akzenten gibt es die grandiosen Rockstücke. „Talk To Me“ gehört dazu, und es hätte das Zeug zu einem Klassiker, der auch auf „Born To Run“ (1975) gepasst hätte. Zusammen mit dem fantastischen „Fire“ und „Because The Night“, mit dem Patti Smith einen Hit hatte, hätte das schon eine eigene Platte gerechtfertigt.

Wer „Darkness On The Edge Of Town“ noch nicht im Schrank (oder digital) hat, sollte sich das Originalalbum auf jeden Fall zu „The Promise“ dazu kaufen. Und wer es ganz genau wissen möchte, kann sich das Deluxe-Pack mit dem Film über die Entstehung zulegen. So oder so gilt: Rock-Ramsch von der Resterampe sieht anders aus als das, was Springsteen aus dem Archiv geholt hat. Viele Musiker könnten sich glücklich schätzen, hätten sie jemals eine Platte dieser Qualität veröffentlicht.

Bruce Springsteen: The Promise (Columbia Records) Wertung: !!!!!

Von Olaf Dellit

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