Semino Rossi begeisterte in der Kasseler Stadthalle mit argentinischer Folklore

Nicht nur Schmuse-Romeo

Vielseitige Show: Semino Rossi beim Auftritt in der Kasseler Stadthalle. Foto:  Fischer

Kassel. Oberflächlich betrachtet könnte man den in Argentinien geborenen Sänger Semino Rossi für einen Latin-Romeo im deutschen Schlagerwunderland halten. Viele seiner Lieder haben den Zuckerguss dieses Genres und tragen die Schunkelmotorik im Herzschrittmacher.

Doch obwohl am Freitagabend bei seinem Konzert mit dem Titel „Die Liebe bleibt“ in der nahezu ausverkauften Kasseler Stadthalle viel geschunkelt wurde, die Fans Blumen, Schokolade und sogar eine Salami auf die Bühne reichten - wer Semino Rossi ausschließlich in diese Schlagerschublade stecken möchte, wird feststellen, dass er dort nur bedingt hineinpasst. Und das spricht für ihn.

Der ehemalige Straßenmusiker hat mehr zu bieten. Zum Beispiel eine perfekt inszenierte Bühnenshow, die mit wunderbaren Videoinstallationen und einer prächtigen Licht-Show für Atmosphäre sorgte. Zum Beispiel eine ganze Menge Charme und Humor. Köstlich wie er den sprachlich Hilflosen mimte, „Strippen“ mit „Steppen“ verwechselte, zum „tssunkeln“ aufforderte und bat: „Sing mit mir“. Nahezu geschlossen und voller Begeisterung kam das Publikum dem Wunsch nach. Zudem verfügt Semino Rossi über eine Stimme, die viel tenoralen Glanz besitzt. Zwischen Schmetter-Tenor und fiebrig hauchendem Schmuse-Lover à la Julio Iglesias versteht er sie zu nuancieren.

Was den 48-jährigen auszeichnet, ist nicht die Happy-Schlagerkultur, sondern etwas anderes: seine Liebe für die spanische, argentinische und italienische Folklore.

Da wechselte der charmante Unterhalter die Gesangs-Farben und sang wie in alten Straßenmusikerzeiten, was im Herzen glüht. Mit Schlagern holte er sein Publikum, die meisten davon waren in der Stadthalle im Rentenalter, zwar ab, sang Lieder wie „Wenn die weißen Rosen blühen“, ein Ständchen für „alle Mamas dieser Welt“ und Klassiker wie „Wenn ein Schiff vorüber fährt“, doch wirklich authentisch und gekonnt brachte er Lieder aus der Folklore zu Gehör. Dazu präsentierte er Künstler aus Argentinien und Spanien, die ebenfalls begeisterten: eine mexikanische Gitarrenformation, argentinische Gauchos, die mit Trommeln und Lassos Varieté-reife Choreografien zeigten.

Mit einem Riesenapplaus bedankte sich das Publikum und erklatschte sich noch einige Zugaben.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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