Nicht nur ein Schmusesänger: Tim Bendzko in Kassel

Sang in Kassel vor 2600 Zuschauern: Der Berliner Tim Bendzko trat am Donnerstagabend im Kongress Palais auf. Foto: Malmus 

Kassel. Stimmprobleme, Interviewverbot, Konzertabsagen? Kaum vorstellbar, dass es Tim Bendzko noch Anfang der Woche so erging. Am Donnerstagabend sah das ganz anders aus. 

Da tanzte der Berliner Sänger über die Bühne des ausverkauften Kasseler Kongress Palais und begeisterte 2600 Besucher.

Schon nach wenigen Minuten läuft der 26-Jährige zu Höchstform auf, und so liegt ihm das Publikum längst zu Füßen, als er gegen halb zehn sein bekanntes „Nur noch kurz die Welt retten“ spielt. Im Innenraum ragen die Arme in die Höhe, auf den Rängen nicken die Köpfe im Takt, und mitsingen kann ohnehin fast jeder. Als dann auch noch Rapper F. R., Bendzkos „Vorgruppe“, auf die Bühne stürmt, wird es ein knappes Rennen, wer mehr Freude hat: Das Publikum oder die Musiker selbst?

Tim Bendzko in Kasseler Stadthalle

Einige Lieder später sitzt der Lockenkopf auf einem Barhocker und sieht in die Menge. „In dieser Konstellation haben wir vor eineinhalb Jahren noch vor etwa zehn Leuten gespielt“, erzählt Tim Bendzko und wirkt, als würde er sich gerade gern die Augen reiben. Nur noch er, sein Gitarrist und sein Schlagzeuger – ohne Schlagzeug, dafür mit Rassel in der Hand – sind auf der Bühne und stimmen leise Töne an.

Ob mit ruhigen Nummern oder temporeichen Stücken – der Berliner, dem der Sieg bei Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“ 2011 einen enormen Karriereschub gebracht hat, und seine Band überzeugen. Mit einprägsamen Melodien, bei denen neben Gitarre, Bass und Keyboard auch Orgel, Akkordeon und Cello für tolle Klänge sorgen. Und mit den deutschen Texten und ihren Geschichten, die irgendwie doch vielen Menschen aus der Seele sprechen.

Es sind seine eigenen Erfahrungen und Geschichten, die Bendzko in den zum Großteil selbstgeschriebenen Liedern erzählt. Zumindest bringt er das glaubhaft rüber. Genau dafür mögen ihn seine Fans – und dafür, dass er auf dem Boden gelieben ist.

In Turnschuhen, Jeans und hochgekrempelten Hemd steht er auf der Bühne, die Zwischenmoderationen während seines Programms sind sympathisch, mitunter gar wtzig. Den Titel „Keiner weiß“ mit den Zeilen „Weil es keiner mehr weiß, keiner mehr sieht“ widmet er Fußballer Michael Ballack. Mit „Es kommt zurück“ hatte zuvor auch schon der Bundespräsident ein Lied gesungen bekommen.

Beim Kasseler Publikum, das bei weitem nicht nur aus jungen Frauen besteht, kommt diese Art an. Dementsprechend groß ist nach zwei Stunden der Applaus. Der Sänger dankt artig und verabschiedet sich vor der doppelten Zugabe mit einem Versprechen: Sein letztes Lied heißt „Ich hör nicht auf“.

Von Kristina Marth

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