Die Norwegerin Randi Tytingvåg verblüffte beim Jazzfrühling

Nicht in die Schublade stecken

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Facettenreich: Randi Tytingvåg im Karlshospital.

KasselL. Über eine Sängerin mit Kultpotenzial und eine ebenso hochkarätige Band freuten sich die 150 Besucher beim zweiten Abend des Kasseler Jazzfrühlings.

Musik, die sich nicht in eine Schublade stecken lässt, gab es beim umjubelten Auftritt von Randi Tytingvåg im Gewölbekeller des Karlshospitals.

Im erfinderischen Eklektizismus der norwegischen Liedschreiberin kommt es vor, dass ein Song wie eine Jazzballade beginnt und als Chanson im Dreiertakt weitergeht („Red Or Dead“). Oder dass ein Stück mit fernöstlicher Melodik zum Kraftfeld einer heftigen Jazz-Entladung der Band wird („Big in China“).

Kurios lang ist denn auch die Liste der Namen, die Journalisten bisher zum stilistischen Vergleich bemühten: Tom Waits, Kate Bush, Kurt Weill, Barbra Streisand, Astor Piazzolla und - nicht zu vergessen - Pippi Langstrumpf.

Viele Facetten, vom lasziven Hauch bis zum kräftigen Spitzenton, finden sich in Tytingvågs perfekt intoniertem Gesang. Auch ihre Performance hat etwas Theatralisches im besten Sinn: ausgebreitete Arme, mal verträumte, mal verschmitzte Mimik. Nicht minder großartig sind Anders Aarum (Keyboards), Espen Leite (Akkordeon), Magne Thormodsaeter (Kontrabass) und Ivar Thormodsaeter (Drums). Schräge Einsprengsel, choralhafte Akkorde wie in der Kirche und vitale Tango-Virtuosität kommen vom Akkordeonisten. Der Pianist hat ebenfalls eine ganze Menge zu bieten - vom Griff in den Innenraum des Flügels bis zu eleganter Raserei.

Nach begeistertem Beifall schlägt in den Zugaben nochmals der Stilmix zu. Denn auf eine gewitzte Mitmach-Version von Cole Porters „My Heart Belongs To Daddy“ lässt Randi Tytingvåg die Elfentöne eines norwegischen Traditionals folgen. Kultverdächtig.

Heute: Blue Break, 20.30 Uhr, Theaterstübchen.

Von Georg Pepl

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