Gar nicht verstaubt: Neues vom Soundtüftler Spyra

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Wolfram Spyra

Schwalmstadt. Nicht nur sein "Little Garden of Sound" zur Documenta11 war ein Renner: Nach fünf Jahren Pause meldet sich Klangkünstler Wolfram Sprya mit einer neuen CD zurück. Perfekt zum Einschlafen.

Von Wolfram Spyra haben selbst schon Menschen etwas gehört, die den Klangkünstler gar nicht kennen. Die Kasseler Uni etwa lässt seit Jahren in ihrer Telefonwarteschleife Klänge des Nordhessen laufen.

Nach fünf Jahren Pause hat er zuletzt wieder ein Album aufgenommen. Wir haben den 50-Jährigen, der zwischen Köln, Warschau, dem Wohnort seiner Freundin, und Schwalmstadt-Ascherode pendelt, in einem Kasseler Café getroffen. Jeder Zweite sprach ihn an und wollte wissen, wie es ihm geht. Auch elf Jahre nachdem Spyra Kassel verlassen hat, ist er hier noch zu Hause.

DER MENSCH 

Außer der Kirchenorgel fand der in Eschwege geborene und in Schwalmstadt aufgewachsene Spyra Musikinstrumente als Kind langweilig. Dafür bastelte er früh elektronische Schaltungen, was keine schlechte Ausbildung für einen Elektronikmusiker ist.

Nach dem Kunststudium in Kassel machte er sich schnell einen Namen. Er konzipierte akustische Stadtpläne, bekam den Kasseler Kunstpreis, sein „Little Garden of Sound“ im Dock 4 zur Documenta11 war 2002 ein Publikumsrenner. Nebenbei legte er Chill Out im Stammheim auf - in den 90ern der coolste Techno-Club der Republik. Spyra fragte sich, ob er dort mitfeiern oder nur genervt sein soll. Seine Antwort: „Dann bin ich doch lieber dabei.“

DIE MUSIK 

Spyras neues Album ist eine doppelte Reise in die Vergangenheit: „Ich wollte etwas machen, was ich 100 Prozent live spielen kann.“ Also nicht mehr nur am Computer frickeln, sondern Tasten drücken. Analoge Synthesizer waren eine Zeit lang aus der Mode, Spyra hatte seine alten Geräte längst verkauft und musste sich erst wieder einen alten Roland Juno 6 zulegen.

Die sechs Tracks von „Staub“ (Butterfly Collectors) klingen immer noch nach dem sphärischen Trance, der sich aus der Berliner Schule entwickelt hat, vor allem aber nach Krautrock. Spyra selbst hört seine warme melodische Musik gern beim Einschlafen - und das ist als Lob gemeint.

Aufgenommen hat er das Album in Köln, Warschau und vor allem nachts im Studio seines Elternhauses in Ascherode zwischen Treysa und Ziegenhain. Der Schwälmer Spyra ist ein Nachtmensch. Wenn andere „Tatort“ schauen, isst er zu Mittag.

DAS GELD 

Weil sich die Kunst von Spyra nicht in die eine Schublade stecken lässt, kann er sehr viele Schubladen bedienen. Demnächst sind seine Klanginstallationen bei den Stelzenfestspielen in Sachsen und dem Berliner Art Festival „Kunst am Spreeknie“ zu erleben.

Spyra sagt aber auch: „Wenn man Geld verdienen will, sollte man etwas anderes machen.“ Daher arbeitet er auch für Firmen wie die Lufthansa. In deren Simulatoren hören angehende Flugbegleiter Start- und Landegeräusche, die Spyra aufgenommen hat. Sogar das Ausfahren der Notfallrutsche ist dabei.

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