Die Bands Witt und Snuffaluffagus gastierten in der Galerie Loyal

Nichts für die Charts

Sympathischer Auftritt: Die Band Witt mit (von links) Evan Backer (Drums), Henry Wessman (E-Bass), Chris Braciszewski (Stimme, Gitarre) und Jesse Kranzler (Gitarre). Foto: Schachtschneider

Kassel. Verschrobene Herzenswärme war angekündigt, und so wurde es ein Abend des charmanten Underground-Flairs. Vier kalifornische Musikanten machten auf ihrer Europa-Tournee Station im Kasseler A.R.M., genauer in der Galerie Loyal. Zum Einstieg bekam man dort Unerwartetes verabreicht. Und zwar die Schnittmenge von wüstem Rock und ambitionierter Tonmathematik.

Math-Rock heißt der Musikstil der Band Witt aus San Diego. Math-Rock enthält so ziemlich alles, was den Hitparaden-Konsumenten auf die Palme bringt: aufgelöst freie Strukturen, komplexe, gleichsam mathematische Rhythmen, krachende Dissonanzen. Er ist zudem ein instrumentales Genre, weshalb der Gesang fehlte - von einigen Schreiausbrüchen abgesehen.

Ein sympathischer Auftritt war es, weil dem kommerziellen Anpassungsdruck des Popgefängnisses mit schiefen Takten und jungmännerhaftem Spaß die lange Nase gedreht wurde. Außerdem recht lustig: Jesse Kranzler (Gitarre), Henry Wessman (E-Bass) und Evan Backer (Drums) haben sich für den Bandnamen Witt bei einer real existierenden Person bedient, denn Mr. Witt hieß ihr Musiklehrer an der High School.

Zu den bewährten Krachmachern Jesse, Henry und Evan kam sodann der Songwriter, Sänger und Gitarrist Chris Braciszewski mit dem Singsang seiner hohen, süßen Stimme. Noch lustiger war der Name dieser Band: Snuffaluffagus. So ähnlich - Snuffleupagus - heißt ein knuffiges Mammut aus der Fernsehserie Sesamstraße.

Unter dem Titel experimenteller Folk läuft das Ding von Snuffaluffagus. Bei Stücken aus dem Album „Brazil Wood Poetry“ waren brasilianische Rhythmen in einer Version angesagt, mit der man in einer Tanzschule einen Aufruhr riskieren würde. Die 30 Gäste geizten nicht mit Beifall.

Von Georg Pepl

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