Schweizer Autoren lasen im Eulensaal

Nichts ist, wie es war

Dorothee Elmiger

Kassel. Was ist das Spezifische der schweizerischen Literatur? Als Uni-Vizepräsidentin Prof. Dr. Claudia Brinker-von der Heyde als Moderatorin diese Frage aufwarf, hörten die 50 Besucher der Lesung am Freitagabend in der Murhardschen Bibliothek vielleicht noch genauer zu. Inwiefern würden sich die drei für den im November zu vergebenden Schweizer Buchpreis nominierten Autoren von deutschen Literaten unterscheiden?

Wenig - sieht man von einzelnen auffälligen Wörtern ab, ein „Rapport“ hier oder ein „allfällig“ da. Die beim Bachmann-Wettbewerb und mit dem aspekte-Literaturpreis ausgezeichnete Dorothee Elmiger, Jahrgang 1985, lässt ihre „Einladung an die Waghalsigen“ in einer apokalyptisch-zerstörten Gegend spielen, in der zwei überlebende Schwestern sich mittels Weltliteratur retten. Auszüge aus ihrem viel gerühmten Debüt ließen viel Witz, Sprachgefühl und ein Gespür für Rhythmus erkennen.

Urs Faes las aus seinem Roman „Paarbildung“. Bei ihm war das Schweizerische in der einfühlsamen Ortsbeschreibung des Bergell in Graubünden zu verorten. In dieses Tal reist das einstige Liebespaar, das sich nach 16 Jahren ohne Kontakt wieder angenähert hat. Auslöser: eine Krebsdiagnose. Nichts ist danach, wie es einmal war.

Er glaube, sagte Faes, der Gegensatz Schriftdeutsch und Mundart habe ihm Behutsamkeit im Umgang mit Sprache abverlangt - als habe er als Kind ein Defizit zu überwinden, sich das Deutsche nach dem Dialekt noch anzueignen gehabt.

Der „schweizerischste“ Autor war Kurt Marti, für den sein Verleger und Weggefährte Klaus Bäumlin vortrug. In einem Buch-„Ziegel“ sind die 252 Kolumnen des Theologen und Lyrikers Marti für die Zeitschrift „Reformatio“ erschienen, „Notizen und Details“ betitelt, Reflexionen über Politik, Glauben und Sprache. „Alles ist Markt, der Markt ist alles“, stellt Marti fest, der sich, mit fast 90 Jahren, als Rohstoff einer boomenden Altersindustrie betrachtet. Fotos: von Busse

Von Mark-Christian von Busse

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