Agnes Obel bot fantasievolles Klavierspiel

Agnes Obel Foto:  Fischer

Kassel. Schade, dass die Verstärker bei Agnes Obels feinem Konzert am Samstagabend im Kasseler Kulturzelt so sehr aufgedreht waren. Ihre betörende Stimme und ihr fantasievolles Klavierspiel mussten keinerlei Gespräche übertönen.

Das Publikum im nicht ganz ausverkauften temporären Bau hörte gebannt zu - die Lautstärke-regler waren also unangemessen hoch gezogen. Nur bei ihren zurückhaltenden, fast schüchternen Ansagen flüsterte Obel zu sehr.

Vor allem das Cellospiel von Anne Müller (die am schönen Abend ebenbürtig Anteil hatte) dröhnte manchmal. Meist aber zeigte Müller eine eindrucksvolle Varianz, sie zupfte zärtlich, strich den Bogen ganz vorsichtig, dann wirbelte, rackerte und riss sie die Zuhörer immer wieder aus der Behaglichkeit der Melodien.

Sie reichten vom schottischen Traditional bis zur sehr eigenständigen John-Cale-Interpretation. Müller griff auch zur Gitarre und Melodica und sang eine fabelhafte zweite Stimme. Spätestens als Obel von der documenta sprach und mit ihrem niedlich-dänischen Akzent einen Song ankündigte mit „Wir werden Hügel“, konnte man an Song Dongs „Doing-Nothing-Garden“ vor der Orangerie denken. Auf einem Hügel im Gras liegen, nichts tun, die Gedanken schweifen lassen - dazu boten die ruhigen Folkpop-Songs den passenden Soundtrack.

Man könnte auch an ein Boot denken, das die Wellen sanft übers Wasser schaukeln. Die Musikerinnen im heißen Scheinwerferlicht indes wollten sich nach „Down by the Riverside“ am liebsten in der nahen Fulda abkühlen.

Vielleicht war deshalb nach kurzen 75 Minuten alles vorbei. Knappe Verbeugung wie nebenbei, Abgang, das war’s.

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