Nicole Oder inszeniert „Im Sprung der toten Katze“ am tif

Nicole Oder Foto:  nh

Kassel. Nicole Oder freut sich jetzt immer besonders, wenn sie einen 20-Euro-Schein im Portemonnaie hat. Nicht, weil sie sich dafür etwas kaufen möchte, sondern weil diese Scheine eine wichtige Rolle in dem Stück spielen, das sie gerade fürs Kasseler Staatstheater inszeniert.

Am Samstag ist Uraufführung für „Im Sprung der toten Katze“, das Katja Hensel geschrieben hat.

Ein Stück über die Geldwirtschaft und den Finanzmarkt - mit der Besonderheit, dass das Geld hier selbst Akteur ist. So kommen neben der eingebildeten alten Mark eben auch 20-Euro-Scheine vor, ihr Handeln und ihre Befindlichkeiten werden dargestellt. Nicole Oder begann die Inszenierungsarbeit mit einer gründlichen Recherche: Das Team sollte die Mechanismen der Geldwelt so gut wie möglich verstanden haben. „Das war für mich ein absoluter Aha-Effekt“, sagt sie, die auch Taxifahrer und Bäckereiverkäuferinnen nach ihrem Kenntnisstand zum Finanzmarkt befragt hat.

Sie wollte wirklich kapieren, was es bedeutet, dass sich Geld vermehren kann, obwohl physisch nicht mehr davon da ist - mit den bekannten Folgen für die Finanzmärkte. „Das kommt einem plötzlich so falsch vor, man fragt sich, warum eigentlich jemand dachte, das könnte funktionieren“, fragt sie.

Der 33-Jährigen fiel auf, dass das Finanzsystem oft als Organismus beschrieben wird, der nach fremden Regeln funktioniert - „wie ein Alien“. Aus diesen Überlegungen entwickelte sie ihren Regieansatz. Das Geld auf der Bühne wird von Schauspielern dargestellt, die sich, das ist ihr wichtig, wie richtige Menschen benehmen sollen. Schwierige Aufgabe für die Darsteller, „die haben sich am Anfang oft auf der Sprachebene bewegt - im Stück erstmal die zahlreichen witzigen Wortspiele gesehen“. Aber: Was für Menschen wären die 20-Euro-Scheine? Die Geld-Anspielungen sollen auf die Menschenwelt verweisen.

Nicole Oder siedelt das Stück in einer Comicwelt an - wo sonst könnte „ein Prinzip auf einen Menschen treffen“ - wie der Kapitalmarkt, der zur Psychoanalytikerin kommt. Nicole Oder beschreibt ihn als sehr selbstreflektiert, aber auch „als Blender, der eigentlich nichts hinkriegt“.

Premiere am Samstag, Kostprobe heute, 20.15 Uhr, tif, Karten: Tel. 0561-1094-222.

Zur Person

Nicole Oder (33, liiert) stammt aus Nürnberg und lebt in Berlin. Sie studierte Politik-, Theaterwissenschaft und Französisch in Erlangen und Paris. Zu ihren anschließenden Tätigkeiten gehörte die Konzeption des Zollnummer in Hamburg. Seit 2008 ist sie beim Berliner Theater Heimathafen Neukölln im Leitungsteam. Für Aufsehen sorgten ihre Stücke "ArabQueen" und "Arabboy". Mit "ArabQueen" gewann sie beim Festival "radikal jung" den Publikumspreis. (fra)

Von Bettina Fraschke

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