Die koreanische Pianistin Ho Jeong Lee beeindruckte in Sandershausen

Niederschmetternd gut

Höchstbegabung: Ho Jeong Lee. Foto: Fischer

Niestetal-Sandershausen. Ho Jeong Lee ist keine Unbekannte in der Region. Als im Herbst 2008 Studierende deutscher Musikhochschulen sämtliche Klaviersonaten Beethovens bei den Kasseler Musiktagen aufführten, sorgte die Koreanerin mit der Hammerklaviersonate für Furore. Sensationell, meinten damals viele Musikfreunde. Nun beglückte die mittlerweile 23-Jährige im voll besetzten evangelischen Gemeindehaus Sandershausen erneut mit ihrer Höchstbegabung.

Die an der Musikhochschule Detmold studierende Musikerin, die unter den großen Pianisten besonders Sviatoslav Richter verehrt, bot diesmal Werke von Bach, Schubert, Mozart und Prokofjew. In der Klaviertechnik über jeden Zweifel erhaben, musizierte sie voller Temperament, schärfte dynamische Kontraste, konnte dabei auch sehr kräftig zulangen und beeindruckte mit der Fähigkeit, die Spannung über das gesamte Konzert zu halten.

Schuberts Wandererfantasie erschien, da Ho Jeong Lee eine klassisch strenge Auffassung des Rhythmus bevorzugt, äußerst stringent, manchmal geradezu herrisch im Ausdruck, fast „beethovenscher“ als Musik von Beethoven.

Dass sie (noch) keine ausgesprochene Romantikerin ist, wurde in der Zugabe eines Skrjabin-Préludes besonders deutlich. Dem kleinen Stück hätte man doch etwas mehr Stimmungszauber gewünscht.

Eine weitaus stärkere Affinität ließ sie zur 6. Klaviersonate op. 82 von Sergej Prokofjew erkennen. Da lebte sie ihre bravouröse Technik und ihren Drive aus, zelebrierte den langsamen Satz lyrisch, ekstatisch, doch ohne Rührseligkeit. Niederschmetternd gut.

Von Georg Pepl

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