Barrie Kosky inszeniert „Rusalka“ an der Komischen Oper Berlin

Nixe am Angelhaken

Tödliches Angeln: Szene mit Ina Kringelborn (als Rusalka) und Timothy Richards (als Prinz). Foto: drama

Berlin. „Willst du des Jägers Beute sein?“, fragt der Herr im dunklen Frack. Die Wassernixe kann sich nichts Schöneres vorstellen. Es ist halt ein Märchen von einer, die auszog, ihren Körper zu verlassen und sich doch nicht ganz verwandeln kann in eine Menschenfrau. Sie hat keine Stimme und ist auch sonst fremd in der Zweibeiner-Welt.

Die wirkt in Barrie Koskys Inszenierung an der Komischen Oper eng, clean und ungemütlich. Für seine auf drastische Weise schlüssige Auslegung von Antonín Dvoáks „Rusalka“ dient ein helles Zimmer (Bühne: Klaus Grünberg), in dem die schwarze Magie der Hexe Jezibaba gruselig anmutet. Erst wird die schwarze Katze gemeuchelt, dann der Nixe Rusalka auf dem Seziertisch durch einen Trichter deren Blut eingeflößt und mit dem Messer ihr Fischschwanz entfernt.

Die polnische Mezzosopranistin Agnes Zwierka jagt einem mit ihrer starken Tiefe und satanischem Spiel Schauer über den Rücken wie dem Kind die Lektüre von Märchen, die mit Zaubermächten und ätzendem Spuk ja eben nicht geizen.

Dass solche Details dennoch nicht im Mittelpunkt der intelligenten und bildermächtigen Aufführung stehen, liegt an der Musik, die dem lyrischen Märchen noch ein paar Farben mehr verleiht, und an der Regie, die sich ohne Aktionismus auf das Wesentliche konzentriert – die tragische Liebesgeschichte von zweien, die einander fremd bleiben.

Bei Dirigent Patrick Lange ist die „gesungene Sinfonie“ vor allem Ausdruck dramatischer Ekstase. Die warme Sopranstimme der jungen Norwegerin Ina Kringelborn nimmt in der Titelrolle gefangen. Dimitry Ivashchenko geistert wie Wotan als überragender Wassermann im grauen Zwirn durch die Szene.

Das Beste hat Kosky sich für den Schluss aufgehoben. In einer Minute bringt er wunderbar auf den Punkt, wovon die Oper erzählt. Die Mensch gewordene Nixe nimmt jenen Angelhaken in den Mund, den ihr Jäger-Prinz (Timothy Richards) auswarf. Tot liegt er da nach ihrem Kuss und umklammert die Rute, die ihr den Mund verschnürt. Großartig!

Auch am 26.2. 3. und 17.3. Kartentel.: 030 / 47 997 400.

Von Andrea Hilgenstock

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