Noch kein Aufschwung Ost: Die Kulturfabrik Salzmann

Altes Gemäuer: Oliver Leuer (links) und Jens Peter Keilholz vor dem Club Panoptikum an der Leipziger Straße. Foto: Lohr

Kassel. 25 Jahre lang war der Verein Kulturfabrik Salzmann eine Institution im Stadtteil Bettenhausen. Auch am Ausweichstandort im Kupferhammer gibt es ein attraktives Programm - und doch Probleme.

So eine Quote schaffen nicht einmal die größten Chartstürmer: Im Mai spielte das Göttinger Duo Ego vs Emo im Panoptikum. Der Schlagzeuger war so begeistert über die Resonanz, dass er sagte: „100 Prozent der Leute tanzen.“ Das Problem war nur, dass lediglich zehn Musik-Fans in den Club an der Leipziger Straße gekommen waren.

Bei anderen Terminen wie dem Auftritt der Kasseler Band Thee Dirt McGirts im Mai zählten die Veranstalter ebenfalls nur eine Handvoll Besucher. Schlecht besuchte Konzerte gibt es in allen Clubs der Stadt hin und wieder. Das Besondere am Panoptikum ist, dass es die Ausweichspielstätte des Vereins Kulturfabrik Salzmann ist, der 25 Jahre lang eine Institution in Bettenhausen war.

In der ehemaligen Weberei traten Acts wie die Die Fantastischen Vier auf. Die Star-Choreografin Sasha Waltz zeigte hier ihre Arbeiten, und die Techno-Clubs Aufschwung Ost sowie Stammheim schrieben deutsche Musik-Geschichte. Bis der Verein im Herbst 2012 aus der Fabrik ausziehen musste, die nach langem Hin und Her nun komplett saniert werden soll.

Für Oliver Leuer ist 2012 „das Jahr der Vertreibung“. Der heute 52-Jährige hat den Verein 1987 mitgegründet und arbeitet immer noch mit einer halben Stelle für die Fabrik, die sich „als Kulturzentrum der Region“ versteht. Wie es weitergeht, ist offen. Der Deutsche Kulturrat hat den 30 Mitglieder zählenden Verein 2014 auf die „Rote Liste der bedrohten Kultureinrichtungen“ gesetzt.

Mit einem Etat von 20.000 Euro machen die Salzmann-Leute auch im neuen Zuhause ein attraktives Programm. Der monatlich stattfindende Poetry-Slam etwa ist nach wie vor ein Renner. Ein Problem ist aber der Standort. Der 1680 erbaute Kupferhammer-Hof liegt am Ortsausgang kurz vor der Auffahrt Kassel-Ost auf die A 7. Letzte Abfahrt für Nachtschwärmer ist am Wochenende um kurz vor zwei. Während der Woche ist sogar schon kurz nach elf Schluss.

Dabei bietet das Gebäude, in dem einst wie im nicht weit entfernten Messinghof Kupfer für den Herkules verarbeitet wurde, gute Voraussetzungen. Jens Peter Keilholz hat es im Vorjahr für 100.000 Euro gekauft. 200 Leute passen rein, bei gutem Wetter kann man die grüne Idylle an der Losse genießen. Nebenan hat der Salzmann-Verein sein Büro. Leuer erzählt von staunenden Besuchern: „Leute, die im Panoptikum waren, sagen, so etwas hätten sie anderswo noch nicht gesehen.“ Man muss nur erst einmal hinkommen.

Er hofft, dass sein Team irgendwann wieder auf das alte Salzmann-Gelände zurückkehren wird. Mit dem Investor Uwe Birk, der aus der alten Fabrik ein neues Wohnquartier machen will, gibt es immer wieder Kontakt. Leuer hat einen langen Atem. Aus den alten Salzmann-Hallen sollte der Verein eigentlich schon 2002 raus. Er hat es dann zehn Jahre länger dort ausgehalten.

Nächste Veranstaltungen: Phantastisches Trashfilmfest (11. bis 13. Juni). Solidaritätskonzert „Gib Salz, Mann III“ (18. Juni). Weitere Informationen gibt es hier.

Archivvideo: Seltener Blick in alte Salzmann-Fabrik:

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