Tom Hanks im Interview über seinen Film „Larry Crowne“

„Noch sieben Jahre“ - Interview mit Tom Hanks über seinen neuen Film

Mit Filmen wie „Forrest Gump“, „Schlaflos in Seattle“ und „Der Soldat James Ryan“ avancierte Tom Hanks zu einem der beliebtesten Schauspieler Hollywoods. Nun legt der zweifache Oscar-Preisträger seine zweite Regiearbeit vor. Er erzählt die Geschichte eines Mannes, der nach dem Verlust von Arbeitsplatz und Heim den Weg in ein neues Leben findet.

Hatten Sie Ihren Co-Star Julia Roberts bereits beim Schreiben im Kopf?

Tom Hanks: Ja, von Anfang an. Ich fragte mich, wie es wäre, wenn ich noch einmal die Schulbank drücken würde und Julia Roberts wäre meine Lehrerin. Ich hatte Szenen geschrieben, in denen ihr Charakter Mercedes zornig und verbittert war. Sie fragte mich, warum das so sei. Ich konnte nur entgegnen, dass ich es so lustiger finde. Sie fand diese Sequenzen nicht gut genug, also haben wir daran gearbeitet. Durch solche Gespräche wird ein Stoff immer besser.

Welche Qualitäten bringt Julia Roberts mit?

Hanks: Sie flößt einem eine gewisse Ehrfurcht ein, weil sie so klug ist. Julia kann Dilettanten nicht ertragen, man sollte gut organisiert und fair sein.

Können Männer und Frauen einfach nur Freunde sein, so wie im Film?

Hanks: Ja, absolut. Wir setzen uns durch die Rolle der Talia mit diesem Thema auseinander. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie viele Kommentare wir bekommen, weil es Leute nicht glauben konnten, dass Larry diese Frau kennenlernt und sich keine romantische Liaison anbahnt. In einem Film geschieht das schließlich immer. Ich musste erklären, dass ich fast 55 Jahre alt bin. Und nur, weil sie nett ist und er freundlich, wird diese 22-Jährige nicht mit Larry ins Bett steigen.

Bekommt Larry durch das College seine Jugend zurück?

Hanks: Larry verändert nur sein Äußeres, im Inneren bleibt er gleich. Er kann sich das Benzin für seinen Wagen nicht mehr leisten, also steigt er auf den Motorroller um. Er verliert sein Haus und zieht in ein winziges Appartement. Das sind alles nur Äußerlichkeiten. Larry bleibt derselbe. Er wird nicht jünger, er traut sich nur, mit 55 einen neuen Weg zu beschreiten.

Werden Sie für romantische Komödien irgendwann zu alt sein?

Hanks: Klar, geben Sie mir noch sieben Jahre. Solange man einen Bezug zum wahren Leben herstellen kann, wird man auch für ein Publikum interessant sein. Aber ich weiß nicht, ob viele Leute acht Euro bezahlen würden, um sich im Kino zwei Sechzigjährige anzuschauen, die die Liebe finden. Heute beschäftigen sich die meisten romantischen Komödien mit Themen wie: „Ich möchte die Anführerin der Cheerleader sein“.

Sie verfügen in Hollywood über viel Macht.

Hanks: Diese Macht, von der jeder spricht, gibt es nicht. Es stimmt nicht, dass ich jeden Film machen könnte, den ich gern machen möchte. Die Finanzen spielen immer die Hauptrolle. Wir hätten es beinahe nicht hingekriegt, „Larry Crowne“ zu realisieren. Man muss viele Leute überzeugen und Allianzen schließen.

Besteht die Gefahr, schizophren zu werden, wenn man in einem Film gleichzeitig als Autor, Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller fungiert?

Hanks: Nein, aber es besteht die Gefahr, ein Größenwahnsinniger zu werden, der glaubt, alle seine Entscheidungen seien die richtigen. Deshalb brauchst du jemanden, der dich und dein Tun einer Prüfung unterzieht.

Wann haben Sie sich zum letzten Mal neu erfunden?

Hanks: Schauspieler erfinden sich mit jeder Rolle aufs Neue. Aber meine Frau und ich machen gerade eine große Veränderung durch. Unsere Kinder haben das Haus verlassen. Dreiunddreißig Jahre lang haben wir Kinder großgezogen. Wenn diese Phase zu Ende geht, wartet da draußen eine schöne neue Welt.

Von André Wesche

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