Die Lyrikerin und Slammerin erhielt in Kassel den Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache - Weitere Auszeichnungen verliehen

Nora Gomringer erhält Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache

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Kasseler Sprachgipfel: (von links) Prof. Walter Krämer (Verein Deutsche Sprache), Preisträger Prof. Dieter Schönecker, Laudator Prof. Wolf Peter Klein, Laudatorin Felicitas Schöck, Preisträgerin Nora Gomringer, Oberbürgermeister Bertram Hilgen, Jury-Vorsitzender Prof. Helmut Glück, Wolfgang Fürstner und Ferry Pausch (Deutschlandstiftung Integration) sowie Preisstifter Eberhard Schöck.

Kassel. Die Jury des Deutschen Sprachpreises hat in diesem Jahr eine Außenseiterin der literarischen Szene geehrt. Nach dem Rock-Sänger Udo Lindenberg im Vorjahr erhielt am Samstag bei einer Festveranstaltung in der Kasseler Stadthalle die Lyrikerin Nora Gomringer (31) den mit 30 000 Euro dotierten Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache.

Sie habe wesentlich zur Popularität des Poetry Slam in Deutschland beigetragen, lautete die Jury-Begründung. Gomringer hat zahlreiche dieser öffentlichen Dichterwettstreite selbst gewonnen und seit 2001 auch regelmäßig Slamsessions ausgerichtet.

So ganz wohl scheint der Jury des Kulturpreises Deutsche Sprache, der von der Eberhard-Schöck-Stiftung und dem Verein Deutsche Sprache gemeinsam verliehen wird, bei ihrer Wahl anfangs nicht gewesen zu sein. Vor der Preisverleihung hatte man per Wettbewerb nach einen deutschen Begriff für Poetry Slam suchen lassen.

Aus mehreren hundert Einsendungen wurde das Wort „Lyrelei“ (vorgeschlagen von Miriam Lehmann aus Leipzig) gekürt - ein nettes Wörtchen, das an Liebelei und Loreley denken lässt, aber nichts mit der kraftvollen Lyrik-Inszenierung eines Slams zu tun hat - wie Nora Gomringer anschließend selbst demonstrierte.

Zuvor wurde sie vom TV-Moderator Jörg Thadeusz in einer fulminanten Laudatio als charmante und liebevolle Dichterin charakterisiert, „nahbar durch Wärme“, deren Werk von Selbstironie als feinem Goldfaden durchzogen sei.

Nora Gomringer selbst teilte sich dem Publikum im Blauen Saal in dreifacher Form mit - zunächst mit der Videoeinspielung eines performten alphabetischen Ich-Gedichts, dann mit einem Live-Slam, der in dem Satz gipfelte „Wir sind alle Dichter“ und in eine Dankesrede überging. Gomringer widmete ihren Preis der gesamten Slam-Szene, die „erfreulich unbelesen“ sei: „Sie hört lieber.“ Dank ging auch an ihre Eltern (Eugen Gomringer, 86, gilt als Vater der Konkreten Poesie) und ihre sieben älteren Brüder.

Ein lustiges Video von einem Kollektiv-Slam einer Schulklasse führte schließlich die Bandbreite dieser Kunstform vor.

Den Initiativpreis Deutsche Sprache, mit 5000 Euro dotiert, erhielt der Philosoph Dieter Schönecker. Der Kant-Spezialist lehrt an der Uni Siegen und setzt sich für den Erhalt des Deutschen als Wissenschaftssprache ein. Sein Credo: Um philosophische Texte zu verstehen, muss man sie in der Originalsprache lesen können.

Der undotierte Institutionenpreis Deutsche Sprache ging an die Deutschlandstiftung Integration, eine Inititative der deutschen Zeitschriftenverleger. Unter dem Motto „Ich spreche Deutsch“ werben Prominente mit Migrationshintergrund wie der Fußballer Jerome Boateng und der Rapper Sido dafür, dass Migrantenkinder die deutsche Sprache lernen.

Von Werner Fritsch

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