Das Jacob Karlzon-Trio hatte sichtlich Spaß im Kulturzentrum Schlachthof

Nordeuropäische Jazz-Expedition

Exklusive Darbietung: Pianist Jacob Karlzon, Bassist Hans Andersson und Schlagzeuger Jonas Holgersson. Fotomontage: Fischer

Kassel. Die Exklusivität beim Konzert des schwedischen Pianisten Jacob Karlzon und seines Trios im Kulturzentrum Schlachthof beruhte auf der dargebotenen kreativen Qualität und nicht darauf, dass sich Heerscharen neugieriger Musikliebhaber um die wenigen Tickets prügelten.

Gerade mal fünfzig Gäste bekamen einen hochinteressanten Einblick in die klangseismografischen Ergebnisse einer nordeuropäischen Jazz-Expedition geboten. Michael Sembellos Hit „Maniac“ synkopisch auszuleuchten, bedeutete für Karlzon allerdings nicht, dass man sich auch gleich ein Flashdanceposter an die Wand nageln muss.

Bei seiner Interpretation interessierte den Pianisten nur der Wunsch, diesen brillanten Popsong neu einkleiden zu wollen. Dabei entschied er sich für großflächige Akkordmuster und ein solistisches Design, das in der detaillierten Verarbeitung keine Wünsche offen ließ. Bei „Bakersfield revisited“ begegnete man einem rauen Gesellen, der sich normalerweise von Bühnen in die Menge stürzt und mit meterhohen Verstärkertürmen Beton spaltet.

Da traf eine Rockattitüde auf dicht inszenierten Powerjazz, und unwillkürlich begannen die Köpfe im Publikum in Headbanger-Manier zu kreisen.

Schlagzeuger Jonas Holgersson servierte immer wieder jene stoischen Drumpattern, die das Esbjörn-Svenson-Trio so berühmt machten. Bei seinem Solo in „God’s country“ (U2) jedoch brillierte er mit facettenreichem Schlagrepertoire.

In den manchmal überdehnten elegischen Passagen konnte Bassist Hans Andersson mit differenziertem Ton großartige Akzente setzen. Sein imposantes Spiel garnierte Karlzon dezent mit elektronischen Klängen und einem fusionlastigen Keyboardsound. Viel Applaus erhielt auch Techniker Robert Sell, der für einen ausgewogen dynamischen Raumklang sorgte.

Von Andreas Köthe

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