1. Startseite
  2. Kultur

Nordhessen als Schlaraffenland

Erstellt:

Kommentare

Unterm Sternenzelt: Die Quernstkapelle auf der gleichnamigen Hochebene bei Frankenau im Kellerwald – eine Abbildung aus Matthias Müllers Buch „Wandern in Nordhessen“ mit
Unterm Sternenzelt: Die Quernstkapelle auf der gleichnamigen Hochebene bei Frankenau im Kellerwald – eine Abbildung aus Matthias Müllers Buch „Wandern in Nordhessen“ mit © tipps. FotoS: Matthias Müller/Andreas Fischer/nh

Autor Matthias Müller gibt in seinem Buch „Wandern in Nordhessen“ auch Tipps zum Fotografieren.

Es ist ein bescheidener Einstieg. Matthias Müller sagt als erstes, was sein Buch nicht sein soll: die detaillierte Anleitung, um ein perfektes Bild hinzukriegen.

Wobei der in Fritzlar aufgewachsene Journalist durchaus selbst perfekte Bilder macht. Das hat Müller nicht nur über viele Jahre als Redakteur unserer Zeitung bewiesen, auch sein Buch „Wandern in Nordhessen“ versammelt fantastische Aufnahmen. Es führt zu den „schönsten Fotospots“ der Region, wie der Untertitel verspricht, und gibt neben informativen Erläuterungen zu den Zielen und wichtigen Serviceangaben gerade Einsteigern wertvolle Tipps für die Fotopraxis. Es ist, wie es im Vorwort heißt, „eine subjektive Auswahl aus jahrelangen Streifzügen als Fotograf und Wanderer durch diese abwechslungsreiche Region.“

Die kennt Müller, der lange in Waldeck-Frankenberg tätig war und zuletzt die Redaktionsleitung der HNA in Hofgeismar innehatte, ehe er zur Mitteldeutschen Zeitung nach Halle an der Saale gewechselt ist, nicht nur ausgesprochen gut – er stellt auch seine Wertschätzung für Nordhessen unter Beweis. Die Mittelgebirgslandschaft rund um Kassel ist in ihrer Vielfalt für ihn schlicht ein Schlaraffenland. Und wäre die Landkarte, die im Buch abgedruckt ist, eine Dartscheibe, gäbe es für den Edersee die volle Punktzahl.

Drei Touren beschreibt Müller: die „Kanzelwanderung“ mit steileren Anstiegen von Schloss Waldeck zur Talsperre und zurück; die „Hammerberg-Tour“ als gemütliche Familienwanderung mit Abstechern zu Tierpark und Kletterwald; sowie ein Tagesausflug „auf den Spuren von Atlantis“, bei dem man auch aufs Auto angewiesen ist. Weitere Wanderungen haben etwa die Quernstkapelle im Kellerwald, den Ettersberg bei Willingen und den Dörnberg bei Zierenberg zum Ziel – jeweils versehen mit Empfehlungen für günstige Blickwinkel und Zeitfenster zum Fotografieren. Der wichtigste Tipp aber lautet, jenseits aller fotospezifischen Hinweise (Müller rät etwa zu Stativ, Fernauslöser und Experimenten mit Filtern), sich Zeit zu nehmen: um das richtige Motiv zu finden, neue Perspektiven auszuprobieren – und um selbst zur Ruhe zu kommen, geduldiger und gelassener zu werden. Müller schätzt besonders die Stille frühmorgens. Um 4.30 Uhr aufstehen, den Sonnenaufgang mit der Kamera festhalten – für ihn kein Problem.

Wenn es einen Kritikpunkt an dem außergewöhnlichen Wanderführer gibt, dann diesen: Nicht immer trifft der Begriff „Wandern“ im Titel zu. Bei den vorgeschlagenen Routen in der Kasseler Karls-aue, im Bergpark, im Schlosspark Wilhelmsthal, an der Sababurg, im Bad Wildunger Kurpark und durch die Fritzlarer Fachwerkkulisse handelt es sich eher um ausgedehnte Spaziergänge. Aber erstens lassen die sich beliebig verlängern. Zweitens gilt es ja, mit viel Muße zu fotografieren, statt zu hetzen. (Mark Christian von Busse)

Matthias Müller Journalist und Buchautor
Matthias Müller Journalist und Buchautor © Fischer, Andreas

Auch interessant

Kommentare