Nordhessische Denke: Horst Seidenfadens Buch „Es is au als was“

Mundart ist Lebensart: Horst Seidenfaden bei der Präsentation seines Buches. Im Hintergrund lacht Anneliese Hartleb. Foto: Schachtschneider

Kassel. Es wird kaum noch kasselänerisch gesprochen! Vielleicht hatte Gabriela Wolff-Eichel mit dieser Feststellung ja recht, als sie die Gäste in der Schaustelle des Stadtmuseums begrüßte. Doch das Interesse an der nordhessischen Mundart ist nach wie vor ungebrochen, wie der mit 80 Zuhörern restlos gefüllte Saal bewies.

Sie alle waren gekommen, um Horst Seidenfaden zu hören, der aus seinem neuen Buch „Es is au als was“ las. Ein Buch, das von Mundart handelt, in Wahrheit aber viel über Charakter und Lebensart der Nordhessen verrät. Als Liebeserklärung an die Nachfahren der Chatten, „den einzigen Germanenstamm, der sich nicht an der Völkerwanderung beteiligt hat“, versteht der HNA-Chefredakteur auch sein Bändchen. In kurzen anekdotenhaften Geschichten verarbeitet Seidenfaden Erlebtes, Erfundenes und Aufgeschnapptes.

Und wie die Zuhörer bald merkten: Die Komik der Geschichten liegt nicht nur in der Sprache, sondern vor allem in der nordhessischen Denke. Seidenfaden nennt sie „Logik, die man nicht sofort erkennt“.

Wunderbar zeigen dies die Dialoge zwischen dem (zugereisten) Wilhelmshöher Arzt Dr. G. und seinem Kasseläner Patienten B., von denen Seidenfaden einige zum Besten gab. B.s ausufernde Beschreibung der Farbe seiner neuen Vespa etwa treiben den Arzt zur Verzweiflung - und den Zuhörern die Lachtränen in die Augen. Nebenbei ist es eine Erinnerung an eine Kasseler Kindheit samt sonntäglichen Besuchen bei „Tante Gechda“.

Das ländliche Nordhessen spiegelte sich in Geschichten aus dem kleinen Dorf Weiße Hütte. Anderes war verknappt bis zum Kalauer. Wie treffsicher die Pointen saßen, bewiesen nicht nur die Lacher, sondern auch manch laut geäußertes „Genau!“. Bleibt zu erwähnen, dass das Buch liebevoll illustriert ist mit Zeichnungen von Niko Mönkemeyer.

Horst Seidenfaden: Es is au als was. Verlag B & S Siebenhaar, 110 Seiten, 9,99 Euro.

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