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Dark Vatter spielt wie Hulle an der Fulle

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Unbeirrt wie ein sprechender Waschbär: Timo Israng ist Dark Vatter und macht „Gaageschnuddenrockenroll“.
Unbeirrt wie ein sprechender Waschbär: Timo Israng ist Dark Vatter und macht „Gaageschnuddenrockenroll“. © Andreas Fischer

Dark Vatter trat im Theaterstübchen auf - das bejubelte Konzert feierte schräge, nordhessische Käuze und die örtliche Mundart aufs Feinste.

Kassel – Timo Israng ist ein Dorfkind aus dem Schwalm-Eder-Kreis und hat dort „hinnerm Scheunentor“ sozusagen die Grundschule der „Nordhessenaarchd“ absolviert. Inzwischen in der Kulturmetropole beheimatet, singt, ja schreit er in der dritten von vier Zugaben den „Kasseläner Boogie“. Das in Rage versetzte Publikum im gut besuchten Theaterstübchen echot lautstark zurück.

Israng hat als Dark Vatter mit seinen Mundartliedern die Region längst erobert. Seine Combo spielt Schreihals-Rockmusik: „Gaageschnuddenrockenroll“. Kusseng T. am Schlagzeug, Kusseng Olli am Bass und Kusseng Judy an der Gitarre grooven bei „Weggewergg, Ahle Worschd un griene Soße“ wie Hulle an der Fulle. Während Gastmusiker Fränky an der Pedal-Steel-Gitarre den Südstaatensound mit wabernden Glissando-Effekten flankiert. Und Sängerin Ninne Soleil (am Waschbrett) mit dem Vatter ordentlich Bühnentheater im Stübchen veranstaltet.

Der Vatter un sinne Combo erzählen kuriose Regional-Geschichten. Der sprechende Waschbär, den er in einer Ballade besingt, steht für nordhessische Beharrlichkeit: Er nimmt es, „so wies äwen kimmet“. Auch die finsteren Seiten der Existenz werden beleuchtet. Das düstere Lied „De Veilchen“ handelt vom Tod, ist aber so ironisch grundiert, dass man ihn vorerst noch auf die leichte Schulter nehmen mag. „De Sonnensiede“ thematisiert Ärger und Verzweiflung. Der dunkle Vatter aber schubst einen ins Licht.

Vor allem Ninne Soleil – ihr Name ist Programm – scheint die Sonne aus dem Arsch: Freude an den kleinen Dingen, damit die großen auch gelingen! Der ein oder andere Trübsalbläser muss da wohl noch bekehrt werden. Funkelnde Liebeslyrik-Perlen, wie „Mensch Kerle, ich bin doch dinne Perle“, gehören ebenfalls zum Repertoire. Wunderbare Straßenpoesie.

In der Region mag es eine seltene Spezies geben: komische Käuze. Dark Vatter, einer von ihnen, kämpft musikalisch für den Erhalt dieser fantastischen Tierwesen. Wie der sprechende Waschbär geht er unbeirrt seinen Weg, egal „ob schdragg oder schrääch“. Begeisterter Applaus.

Von Matthias Pfannkuche

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