Nordische Gelassenheit: Sängerin Nanne Emelie im Theaterstübchen

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Sängerin ohne Allüren: Nanne Emelie. Rechts hinten Bassist Andreas Hatholt.

Kassel. Eine grandios eingespielte CD aus dem Jahr 2011 eilte der dänischen Sängerin Nanne Emelie voraus, bevor man sie am Montagabend im gut besuchten Theaterstübchen live erleben konnte.

Um es gleich vorwegzunehmen: Der oft zitierte Vergleich mit Norah Jones stimmt einfach nicht. Die Kompositionen klingen nach europäischer Jazzmoderne mit popmusikalischem Zuckerguss und sind von einer ganz anderen Emotionalität geprägt. Wenn man unbedingt Gemeinsamkeiten finden will, dann nur diese, dass auch Emelie nicht zu den Effektsängerinnen gehört, die ihre Stimme mit Spoiler, Rallyestreifen und Slicks an den Start bringen.

Da schwingt schon eher die Gelassenheit einer Helen Merill oder Nancy Sinatra durch die Arrangements, ohne den krampfhaften Versuch unternehmen zu müssen, die Charaktereigenschaften von afroamerikanischer Blues- und Soulmusik zu importieren. In ihrem Charleston-Revuekleidchen wirkte sie jugendlich und etwas scheu, doch auch sie beherrscht das souveräne Wechselspiel zwischen Melancholie und Lebensfreude wie viele ihrer Kolleginnen aus dem hohen Norden.

Pianist Niels Thybo, Schlagzeuger Rasmus Lund und der junge Kontrabassist Andreas Hatholt brillierten im Zusammenspiel und beeindruckten mit solistischer Raffinesse. Besonders Hatholt nutzte die ihm zugestandenen Freiräume für geschmackvolle und technisch anspruchsvolle Intermezzi. Mit dem nach Musical klingenden „Doubting Tomas“ und dem polkaesken „Circus Princess“ hatten sie zwei attraktive Ausreißer im Programm, die zu den intensivsten Momenten des Abends gehörten.

Vergleicht man jedoch die Intensität der live präsentierten Songs mit der CD-Produktion, die mit Bläsern und Gitarristen eingespielt wurde, so wirkte das Konzerterlebnis doch etwas reduziert und ausgedünnt. Das änderte aber nichts am großen Applaus.

Von Andreas Köthe

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