Roman von Juli Zeh beim Göttinger Literaturherbst

"Nullzeit": Publikum von Lesung im Deutschen Theater begeistert

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Raushalten geht nicht: Juli Zeh bei ihrem Auftritt zum Abschluss des Göttinger Literaturherbstes.

Juli Zeh bezeichnet ihren neuen Roman „Nullzeit“ als Thriller und als „Buch, das ganz offen spannend sein möchte.“ Es habe Leichtigkeit, gehe nicht so in die Tiefe. Zum Abschluss des Göttinger Literaturherbstes am Sonntag las die Schriftstellerin vor einem begeisterten Publikum im voll besetzten Deutschen Theater.

Dabei gehen die Protagonisten von „Nullzeit“ sehr wohl in die Tiefe, nämlich beim Tauchen. Der Tauchlehrer Sven flüchtet nach dem Jurastudium aus dem „Kriegsgebiet Deutschland“, wie er es nennt, in die vermeintliche Geborgenheit der Unterwasserwelt nach Lanzarote. Sich aus allem raushalten, ist seine Devise. Die gerät ins Schwanken, als die attraktive Schauspielerin Jola und der erfolglose Schriftsteller Theo ihn exklusiv als Tauchlehrer buchen.

Dass auch sie Realitätsflüchtlinge sind, Frust, Überdruss und Überforderung aber in Aggressionen wandeln und ein perfides Spiel von Macht und Intrigen mit ihm treiben, erkennt Sven fast zu spät. Längst hat er sich in dem verhängnisvollen Netz einer Dreierbeziehung verfangen, in der es um Leben und Tod geht.

„Raushalten ist das Fundament, auf dem ich mein Weltbild erbaute“, lässt Juli Zeh ihre Hauptfigur sagen. Doch auf sie selbst trifft das nicht zu. Das politische und gesellschaftliche Engagement der promovierten Juristin Zeh sei mindestens so umfangreich wie ihr literarisches Schaffen, betonte Sabrina Wagner (Universität Göttingen) in ihrer Vorstellung.

Zeh sagte, dass sie das Bedürfnis sich zurückzuziehen und das Gefühl der Überforderung sehr wohl manchmal habe. Anders als Sven in „Nullzeit“ glaube sie aber nicht, dass der Rückzug in das Private funktioniere. „Der Mensch ist halt keine Insel. Wenn etwas zuwider läuft, habe ich gleich den Wunsch nach Protest“, so Zeh. Das schaffe auch ein intensiveres Lebensgefühl.

Dass viele Schriftsteller sich aus der politischen Debatte heraushielten, befremde sie. „Ich empfinde es als totalen Luxus, mich öffentlich äußern zu können. Wir Schriftsteller haben dafür ein wunderbares Forum.“

Juli Zeh: Nullzeit, Schöffling & Co., 19,95 Euro

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