„Nur die Zeit hilft dir“: Sänger Bob Geldof im HNA-Interview

Der Pop-Heilige: Bob Geldof (klatschend) im Juli 1985 beim Live-Aid-Konzert zugunsten der Afrika-Hungerhilfe im Londoner Wembley-Stadion mit (von links) Prinzessin Diana, Prinz Charles und seiner Ehefrau Paula Yates, die Töchterchen Pixie auf dem Arm hält. Fotos: Picture-Alliance / Universal

Die euphorischen Songs seines aktuellen Albums „How To Compose Popular Songs That Will Sell“ lassen erahnen, dass Bob Geldof den Schmerz überwunden hat, der ihn mehr als ein Jahrzehnt begleitete.

Im Jahr 2000 war seine Ex-Frau Paula Yates, die ihn 1995 wegen des INXS-Sängers Michael Hutchence verlassen hatte, an Drogen gestorben. „Meine Familie und mich hätte das fast zerstört“, sagt Geldof. Nun hat der „Weltinnenminister des Pop“ („Zeit“), der sich nicht nur mit Benefizkonzerten immer wieder für die Armen einsetzt, wieder Muße, um Songs zu schreiben. Wir befragten den 61-Jährigen vor seinem Auftritt am 20. Juli im Kasseler Kulturzelt.

Sir Bob Geldof, im Video zu Ihrem Song „Silly Pretty Thing“ springen Sie auf einem Trampolin. Es scheint, als seien Sie wieder richtig glücklich im Leben.

Sir Bob Geldof: Ich glaube nicht, dass ein Trampolin für Glück steht. Ich bin auf dem Trampolin gesprungen, weil ich den Videodreh so schnell wie möglich hinter mich bringen wollte. Ich mag es nicht, für solche Clips vor der Kamera zu stehen - sie sind langweilig und meist dumm. Das Springen war einfach umzusetzen. Und es war billig, was auch nicht zu unterschätzen ist.

Wie haben Sie es geschafft, über all die schrecklichen Dinge in Ihrem Leben hinwegzukommen, die Sie auf Ihrem vorigen Album „Sex, Age & Death“ verarbeitet haben?

Geldof: Die Zeit hilft dir. Die Zeit und die Liebe.

Angeblich setzen Sie sich mit Ihren Kindern und Freunden oft in Ihren Toyota, wenn Sie gemeinsam neue Musik hören wollen. Welches ist der richtige Ort, um Ihr neues Album zu hören?

Geldof: Am liebsten sitze ich in meinem Auto allein und drehe die Musik richtig laut auf. „How To Compose Popular Songs That Will Sell“ hören Sie am besten mit Ihren Ohren – wo ist egal. Ich habe versucht, die neuen Songs mit meiner Nase zu hören, aber es hat nicht so gut geklappt.

Sie werden im Herbst 62. Ist es einfacher oder wird es schwieriger, Songs zu schreiben, wenn man älter wird?

Geldof: Es ist eigentlich genauso wie früher, aber du schreibst über andere Dinge. Wenn du jung bist, beobachtest du die Welt, als würdest du sie zum ersten Mal sehen – mit all ihren Fehlern. Wenn du älter bist, ist die Welt so, wie du sie gestaltet hast in deinem Leben – mit allen guten und schlechten Dingen. Deine Beobachtungen sind dann mehr nach innen gerichtet. Du hast so viel erlebt, sodass es mehr persönliche Dinge gibt, über die man reden möchte. Ich liebe die Lieder von unserem ersten Album mit den Boomtown Rats, aber ich weiß nicht, ob ich sie jetzt noch einmal schreiben würde. Umgekehrt hätte der 21-jährige Bob Geldof nicht die Songs meines aktuellen Albums schreiben können.

Stilistisch klingen die Lieder Ihres aktuellen Albums zwischen Folk und Noise-Rock sehr unterschiedlich. Was ist auf dem iPod in Ihrem Kopf, wenn Sie Songs schreiben?

Geldof: Unterschiedliche Gefühle erfordern unterschiedliche Kompositionen. Aber egal welchen Stil ich verwende, die Lieder vermitteln immer genau das, was ich sagen will. Es klingt immer sehr nach Bob Geldof. Das liegt auch an meiner großartigen Band, die alles spielen kann, was ich will. Ich habe drei iPods, aber ich benutze sie nie. Manchmal nehme ich mir meine Gitarre und habe gar nichts im Kopf. Manchmal aber kommt plötzlich eine Idee, und wenn du glücklich bist, ist es meist eine gute. Solche Momente sind sehr aufregend und befriedigend.

Viele Menschen sehen Sie als politische Figur. Sollte jeder Musiker eine Botschaft haben?

Geldof: Die einzige Aufgabe eines Künstlers ist es, ein guter Künstler zu sein. Scheitern kann er nur, wenn er schlechte Kunst schafft. Alles anderes muss jeder für sich entscheiden.

Bob Geldof spielt am 20. Juli im Kulturzelt Kassel an der Drahtbrücke. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

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