Ottfried Fischer beklagt beim Baunataler Sommer den Niedergang des Dirndl und anderer Folklore

Nuschelbayer erklärt seine Landsleute: Ottfried Fischer beim Baunataler Kultursommer 

Bayer spricht über Bayern: Ottfried Fischer in Baunatal. Foto: Fischer

BAUNATAL. Den grünen Knopf am ICE hat er gedrückt, und da ist der Zug abgefahren, statt ihn noch mitzunehmen. Was zur Folge hatte, dass Ottfried Fischer mit seinem Auftritt am Sonntagabend beim Baunataler Sommer erst eine Dreiviertelstunde später beginnen konnte. Gut hundert Besucher waren gekommen, um den aus dem Fernsehen („Pfarrer Braun“) bekannten Schauspieler einmal ohne Mattscheibe zu sehen.

Fischers großes Thema ist der Bayer. Was macht ihn aus, was glaubt er, was unterscheidet ihn von den Deutschen, den anderen? Altötting und Oktoberfest, Bayern München und der Niedergang des Dirndl, das sind Themen, die den Kabarettisten bewegen.

Nur leider ist das Bayerntum des Mannes aus dem Bayerischen Wald so weit fortgeschritten, dass man in anderen Regionen wie dem Tal der Bauna manchmal kaum etwas versteht. Zudem ist es das Markenzeichen des Kabarettisten, bei hohem Sprechtempo zu nuscheln, was die Pointen, auf die man oft sehr lange warten muss, auch nicht klarer macht.

Nach der Pause - „Hochkultur“! - wendete sich der Blick ins Philosophische. Mittels des Platon’schen Höhlengleichnisses und des Strafgesetzbuches wurde bewiesen, dass gegen die Volksmusik aus den einschlägigen Fernsehsendungen nichts zu machen ist. Leider!

Mit von der Partie waren die „Heimatlosen“, eine kuriose, aber musikalisch exquisite Band mit Claus Reichstaller (Trompete), Leopold Gmelch (Tuba), Andreas Hinterseer (Akkordeon, Gitarre) und César Granados (Cajón und andere Schlaginstrumente). Wie dieses Quartett durch Stile und Kontinente navigierte, das hatte Format, mehr als die etwas missglückte kabarettistische Lesung Ottfried Fischers.

Von Johannes Mundry

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