Der Komiker und Poet Johann König war in der Baunataler Stadthalle zu Gast

Ein Obstler im Müsli

Ringt stets nach Worten: Johann König in Baunatal. Foto: Schachtschneider

Baunatal. Johann König macht keinen Hehl daraus, dass er sich auf der Bühne langweilt. Während seines zweistündigen Auftritts in der ausverkauften Baunataler Stadthalle schaut er immer wieder auf die Uhr, schüttelt den Kopf. „Kennt ihr das? Man ist noch nicht lange auf der Arbeit, aber vom Gefühl her ist jeden Moment Feierabend.“

An seinen ersten Besuch in Baunatal (Kreis Kassel) - es ist schon ein paar Jahre her - kann sich Johann König nicht mehr erinnern. „Ich hab es komplett vergessen. Aber das ist vielleicht auch besser so“, sagt er. Übel nimmt ihm das niemand. Auch nicht, als er die Schönheit Baunatals preist: „Wenn man aus Köln kommt, ist Baunatal das, was einem gerade noch gefehlt hat.“

„Man ist noch nicht lange auf der Arbeit, aber vom Gefühl her ist jeden Moment Feierabend.“

Johann König

Warum er den Komiker so lustig findet, kann wahrscheinlich kaum einer im Saal sagen. Fest steht aber: Johann König ist lustig. Wenn er stammelt und minutenlang nach Worten ringt, und vor allem, wenn er von seiner kleinen Familie erzählt.

In einem Tagebuch hat er zum Beispiel die ersten Wochen mit seinem Sohn festgehalten. „Er sieht aus wie meine Freundin, hat aber meine Augenbrauen. Schön ist auch was anderes“, sagt er. Ansonsten sei der Alltag jedoch wunderbar. Wenn er abends mit Freundin und Kind auf dem Sofa liege, könne er nur heulen. Vor Glück, versteht sich.

Großartig sind Königs kurze Gedichte. Poetische Werke wie: „Ich traf sie an der Linde, wir gingen in die Laube. Sie war das Gewinde.“ Beim Publikum kommt das gut an. Andere Gags ernten nur ein müdes Lächeln. Aber auch das gehört zum Programm. Johann König reagiert prompt und schreibt in sein Notizbuch: Morgen lieber weglassen. „Aber wer weiß, in Chemnitz beömmeln sie sich vielleicht darüber.“ Und schon lacht das Publikum wieder.

In der zweiten Programmhälfte kommt es sogar selbst zum Zug. Die Zuschauer durften in der Pause ihre Lieblingswitze aufschreiben, und Johann König hat sichtlich Spaß daran, die originellsten vorzutragen. „Was ist grün und trägt ein Kopftuch? Eine Gürkin“, liest er.

Nach zwei Stunden verlässt Johann König unter großem Beifall die Bühne. Zuvor verrät er noch sein Erfolgsgeheimnis: „Ich werde oft gefragt: Wie kommst du auf so was? Ganz einfach: Ich tu mir regelmäßig einen Schuss Obstler ins Müsli.“

Von Pamela De Filippo

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.