Regisseur Johannes Schütz über seine Inszenierung des „Titus“ von Mozart und Trojahn - Premiere Samstag

Ölgemälde trifft auf Schwarz-Weiß-Bild

Inszeniert in Kassel die Mozart-Oper „La clemenza di Tito“: Johannes Schütz. Foto: nh

Kassel. Mit seiner spannungsgeladenen Inszenierung von Wagners „Tristan und Isolde“ 2007 zum Wiedereinzug ins sanierte Opernhaus hat Johannes Schütz (60) in Kassel einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Jetzt führt der frisch gekürte Träger des Berliner Theaterpreises bei Mozarts später Oper „La clemenza di Tito“ („Titus“) Regie, und alles ist anders. „Zierlichen Manierismus“ erkennt Schütz im „Titus“, der 1791 als Huldigungsoper zur Krönung des habsburgischen Kaisers Leopold II. entstand. Mozart greift hier auf die barocke Form der Opera seria zurück. Für Schütz ein Werk „voller Echos“.

Doch in Kassel wird eine „Titus“-Fassung gespielt, in der die von Schülern Mozarts ausgeführten Rezitative durch orchester-begleitete neue Rezitative des Komponisten Manfred Trojahn ersetzt werden. „Völliger Wahnsinn“, habe er beim ersten Hören gedacht, sagt Schütz, wie hier Mozarts und Trojahns Musik aufeinanderprallen - „wie ein Ölgemälde und ein Schwarz-Weiß-Foto“. Genau dies habe ihn jedoch interessiert. Seine Inszenierung hat Schütz nun auf den überraschenden Wechsel der Musiksprachen zugeschnitten.

Er habe „eine Versuchsanordnung stiften“ wollen, bei der man nicht nur die Sänger, sondern auch die Musiker sieht. Denn erst das Orchester und sein Instrumentarium schaffen die Verbindung von Mozarts und Trojahns Musik.

Schütz hat dafür eine breit gezogene kastenförmige Spielfläche über dem auf der Bühne platzierten Orchester geschaffen. In der hell ausgeleuchteten Kastenbühne verzichtet Schütz auf Requisiten und lässt die Sänger das Intrigenspiel um Mordanschläge und verschmähte Lieben „völlig unillusionistisch“ spielen.

Die Sänger tragen die Handlung allein durch ihre Gesichter und Hände. Obwohl die Geschichte vom guten Herrscher, der am Ende Milde walten lässt, eine ironisch-liebevolle Verbeugung vor dem Absolutismus sei, erkennt Schütz in den handelnden Personen auch moderne Züge: „Die Figuren stehen unter großer Individualitätsbedürftigkeit.“

Premiere am Samstag, 19.30 Uhr, Opernhaus: ausverkauft. Nächster Termin: 12.5.

Von Werner Fritsch

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