Jochen Faulhammer brachte in der Martinskirche Händels „Messias“ zum Schwingen

Österlicher Tanz des Lebens

Nuancierter Vortrag: Traudl Schmaderer (Sopran), am Pult dirigiert Jochen Faulhammer. Foto: Zgoll

Kassel. Bemerkenswerte Gedanken zu Georg Friedrich Händels „Messias“ äußerte Kantor Jochen Faulhammer. Er zeichnete im Programmheft nicht nur die Sonderstellung dieses berühmten Oratoriums nach, sondern formulierte auch: „Da, wo einer aufsteht zum Tanz des Lebens, da ist Ostern.“

Österlich, auch in diesem Sinn, war die „Messias“-Aufführung mit der Kantorei der Kreuzkirche in der sehr gut besuchten Martinskirche. Als Experte für Alte Musik bewies Faulhammer viel Gespür für die tänzerisch-schwingende Vitalität Händels. Auf ausgezeichnete Weise unterstützte ihn das Göttinger Barockorchester um Konzertmeister Henning Vater mit einem agilen, hellwachen Musizieren.

Die Höhepunkte im Zusammenwirken von Orchester, Dirigent und Solist bildeten die Arien für tiefe Männerstimme. Ein attraktives, dunkles Timbre kam von Bariton Stefan Zenkl. Mit Kraft wie Geschmeidigkeit begeisterte der vom Staatstheater wohlbekannte Sänger.

Durch eine souveräne Leistung überzeugte die Kantorei der Kreuzkirche. Illusorisch wäre es, die klangliche Brillanz eines Profichores zu erwarten. Entscheidender war, dass Koloraturen und dynamische Ausrufe sicher und mit engagierter Freude gesungen wurden. Erfrischend schnell: der Barockhit des „Halleluja“.

Neben Stefan Zenkl hatte Faulhammer weitere versierte Solisten für die (im englischen Original gesungene) Aufführung am Ostersonntag gewonnen: Sopranistin Traudl Schmaderer bot einen nuancierten Vortrag, Manuel König präsentierte sich als schlank timbriertes Tenor-Talent, Katharina Magiera ließ einen auffällig dunklen, wenn auch im Ausdruck etwas eindimensionalen Alt hören. Tanz des Lebens, Fest der Stimmen: Nach dem (mit Pause) dreistündigen Konzert gab es minutenlangen Beifall der 800 Zuhörer.

Von Georg Pepl

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