Offene Schaufenster beim Rundgang der Kunsthochschule Kassel

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Beginnt wie von Zauberhand zu schwingen: Figur „ohne Titel“ von Marta Malinauskas in der Klasse Slotawa.

Kassel. Ein Plakat mit der Aufschrift „Autonomie jetzt oder nie“ hielt Dozent Bernhard Balkenhol, der in diesem Jahr den Rundgang in der Kunsthochschule leitet, unter großem Beifall im überfüllten Hörsaal hoch.

Auch bei der Eröffnung der Jahresausstellung am Mittwochabend flammte der schwelende Streit zwischen den Künstlern an der Menzelstraße und dem Uni-Präsidium am Holländischen Platz um finanzielle und personelle Eigenständigkeit auf.

Auch der designierte Rektor, Christian Philipp Müller, versprach die Sicherung der Eigenverantwortung der Kunsthochschule. „Produktive Unruhe“ kündigte der Schweizer documenta-Künstler an, die in der Stadt noch sichtbarer sein solle als bisher. Kunst sei „ein nicht zu unterschätzender Motor zur Belebung von Kassel“, und umgekehrt gelte es, den jungen Künstlern Ausstellungsräume, Aufträge und Verkaufsmöglichkeiten zu schaffen: „Schaufenster und Sprungbretter.“

„Herrn Hases neues Glitzerkostüm“ von Linda-Josephine Knop.

Als Schaufenster und Partyzone präsentieren sich bis Sonntag sämtliche Klassen und Werkstätten - ob Grafik, Illustration, Trickfilm, Produkt-, Industrie- und Systemdesign, Fotografie, Kunstwissenschaft und -pädagogik bis zu Neuen und Virtuellen Medien -, und die Studierenden erhoffen viele neugierige, aufgeschlossene Besucher, darunter Galeristen und mögliche Sponsoren.

Die neuen Klassennamen in der Bildenden Kunst zeigen, in was für einer spannenden Umbruchphase die Hochschule zurzeit begriffen ist. Sie entsprechen den neu berufenen Professoren: Florian Slotawa, Johannes Spehr, Friederike Feldmann, Mathilde ter Heijne.

Den Begriff Schaufenster hat die Feldmann-Klasse wörtlich genommen, alle Kunstwerke in einen Raum als klassischen „white cube“ gepfercht und die übrigen Arbeitsräume in einem provozierend chaotischen Zustand hinterlassen: Zu sehen, wie ein Gemälde, durch Plexiglasscheiben statt der Türen.

Auch andere Klassen experimentieren mit den Präsentationsformen von Kunst. Die ter-Heijne-Klasse, deren Mitglieder in Videostatements ihre Ausbildung reflektieren, wird am Samstag ab 14.30 Uhr unter dem Motto „Frischluft“ die Kunst auf die Straße tragen und durch die Südstadt bis zur Galerie Südhain ziehen.

Kreatives Chaos: Die Klasse von Friederike Feldmann hat den Eingang zu vier Arbeitsräumen mit Plexiglasscheiben versperrt.

In der Klasse von Norbert Radermacher lautet das Motto „jetzt“. Die 23 Studierenden präsentieren ihre Arbeit nicht gleichzeitig, sondern hintereinander: Jeder hat eine gute Stunde die gesamte Atelierfläche für sich allein zur Verfügung. Man wird also kaum alles sehen können - das Prinzip, im reichhaltigen Rundgangsangebot eine Auswahl treffen zu müssen, wird mit dem Zufallsprinzip auf die Spitze getrieben.

Wie gut die Kooperation zwischen Kunsthochschule und anderen Uni-Fachbereichen funktioniert, zeigte übrigens die Unterstützung des Instituts für Musik bei der Eröffnung. Die Musiker sorgten für eine witzige, schräge Untermalung der Reden.

Der Rundgang in der Kunsthochschule, Menzelstraße 13-15, ist bis Sonntag, 17. Juli, geöffnet. Fr 14-21 Uhr, Sa 11 bis 21 Uhr, So 11 bis 18 Uhr. Infos und Katalog: www.rundgang-kassel.de

Absolventen und Meisterschüler stellen in der documenta-Halle aus. Bis So, 17. Juli, Fr 12 - 20 Uhr, Sa/So 10 - 20 Uhr. www.examen11.de

Austellung „Spielsalon“ zur künstlerischen Entwicklung von Computer-Spielen, Kunstverein, Fridericianum, bis 17. 7. täglich 11 bis 20 Uhr. spielsalonkassel.com

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