Tanzperformance „go all out for“ machte Galerie Loyal zur Bühne

Offene Verwandlungen

Ungewöhnliche Installation: Evangelos Poulinas bei der Tanzperformance im Raum 4 der Galerie Loyal. Foto: Breidenbach/nh

Kassel. Eine Frau und zwei Männer stehen an der Bar, Plastikflaschen fallen zu Boden und werden wieder aufgehoben: Aus dieser Ausgangssituation haben die Tänzer Michael Langeneckert, Deborah Smith-Wicke und Evangelos Poulinas zusammen mit zwei weiteren Künstlerinnen die fesselnde Tanzperformance „go all out for“ entwickelt. An zwei Abenden nutzten sie den Raum 4 der Galerie Loyal als Bühne.

Von der Theke aus erschließen sich die Tänzer den Raum, bewegen sich traumwandlerisch zwischen frei stehenden Pappstelen, werfen sich Flaschen zu, proben kleine akrobatische Kunststücke, die Gliedmaßen wie in Zeitlupe gedehnt, auf der Suche nach Balance.

Und plötzlich gerät alles in Bewegung. Zwei weitere Akteurinnen beginnen die Position der mannshohen Stelen zu verändern - was eben noch eine Wand im Rücken der die Tänzer umstehenden Zuschauer war, löst sich in dutzende von Einzelteilen auf. Astrid Lange und Lena Lang, die diese so einfache wie geniale Installation entworfen haben, halten sie von nun an kontinuierlich im Fluss, türmen die Elemente übereinander, werfen sie zu Boden, verengen oder weiten den Raum, in dem sich die drei Tänzer bewegen.

Was man im Theater als „offene Verwandlung“ bezeichnet, der Umbau des Bühnenbildes vor den Augen der Zuschauer: Hier wird er auf die Spitze getrieben. Und jeder Einzelne der 50 Zuschauer muss sich immer wieder fragen, wie er selbst sich positionieren soll und will.

Effekt mit Taschenlampen

Zum Ende hin sind im abgedunkelten Raum von der Bar aus allein die im Rhythmus der Musik wechselnd aufleuchtenden Innenseiten der quer liegenden, hohlen Stelen zu sehen. Nur wer, von Neugier getrieben, den eben gebauten Kubus umrundet, erkennt auch, wie der tanzende Poulinas diesen Effekt mit Taschenlampen erzeugt. Und beide Ansichten sind atemberaubend schön.

Von Fabian Fröhlich

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