Ohne Kitsch: Deborah Sasson in „Das Phantom der Oper“

Heftig umworben: Deborah Sasson als Christine. Foto: Malmus

Kassel. Die Geschichte von Eric, der als gesichtsentstelltes „Phantom der Oper“ 1877 in Paris sein Unwesen trieb, passt eigentlich hervorragend zu dem aktuellen Halbwelt-Hype um die Twilight Saga. Eine gruselige Dreiecksbeziehung, in der sich die schöne Sängerin Christine zwischen einem sensiblen, aber brutal mordenden Außenseiter und einem adeligen Saubermann entscheiden muss.

Wenn Gefühle und Leidenschaft im Spiel sind, verflüchtigen sich die moralischen Maßstäbe schnell. Wenn jemand diese Zerrissenheit optisch und gesanglich eindrucksvoll in Szene zu setzen vermag, dann ist das Deborah Sasson. Dass die vielfach ausgezeichnete Sängerin auch als künstlerische Koordinatorin eine Produktion konzeptionell erfolgreich mitgestalten kann, bewies die Aufführung in der gut besuchten Kasseler Stadthalle.

Trottelig die Oberschicht, wuschig der Polizist, einfältig der Direktor der Oper. Inhaltlich setzte man unkonventionelle Akzente. Und technisch arbeitete man mit Bildüberblendungen auf verschiedenen Leinwandebenen, die eine verblüffende Mehrdimensionalität zu erzeugen vermochten.

Friedhof und Ballsaal, Höhlengänge und Gewölbekeller zauberte man blitzschnell in den Raum. Noch gelangen nicht alle Effekte, die Scheinwerfer kreisten manchmal suchend über den Bühnenboden, und den einen oder anderen dramaturgischen Schlenker hätte man sich sparen können.

Doch die Tour ist noch taufrisch, und Schauspieler, Choreograf und Regisseur Jochen Sautter betonte, noch während der Spielzeit an den Details feilen zu wollen. Das Orchester unter der Leitung von Peter Moss präsentierte Klassik light, burleske Operettenmelodien und Poparrangements ohne Andrew-Lloyd-Webber-Kitsch.

Tuntig, witzig und sympathisch agierte Nils Schwarzenberg (Direktor Moncharmin), temperamentvoll Axel Olzinger (Erik, das Phantom) und geheimnisvoll Guido Weber (Perser). Deborah Sasson, als bildhübsche Elfe, wirkte beim Spiel noch etwas statisch, konnte das jedoch mit ihrer blühenden Sopranstimme mehr als kompensieren. Und auch für die ansprechende Ensembleleistung gab es viel Applaus.

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