Ausblick auf die kommende Spielzeit der drei Berliner Opernhäuser – „Tosca“, „Don Giovanni“, „Faust“

Ohne Regietheater geht es nicht

Daniel Barenboim

Berlin. Hochkarätige Namen, abseitige Werke und Entdeckungen versprechen die drei Berliner Opernhäuser zur neuen Spielzeit. Ein Blick auf die Höhepunkte.

Staatsoper

Bereits ihre fünfte Saison verbringt die Staatsoper an der Bismarckstraße in Charlottenburg, während Unter den Linden der Baukran rotiert und die Rückkehr sich weiter verzögert. Macht nichts. Hier ist der Klang bestens. Wer eine optisch ansprechende Inszenierung erleben will, sollte sich „Candide“ vormerken. Wayne Marshall (musikalische Leitung), Vincent Broussard (Regie) und Christian Lacroix (Kostüme) wollen den Geist Leonard Bernsteins auferstehen lassen. Am 18. September beginnt die neue Spielzeit der Staatsoper, und der amerikanische Tenor Leonardo Capalbo verkörpert den Abenteurer Candide.

Als weitere große Premiere steht „Tosca“ auf dem Plan. Ab 3. Oktober leuchten wieder die Sterne für Puccini-Fans. Regiestar Alvis Hermanis inszeniert. Daniel Barenboim, jüngst als „Dirigent des Jahres“ von der Royal Philharmonic Society ausgezeichnet, erhebt den Taktstock, wenn Anja Kampe zur Waffe greift und Michael Volle in die Knie zwingt.

Spannend dürften daneben Michael Thalheimers Auseinandersetzung mit seiner Wunschoper „Freischütz“ sowie „Ariadne auf Naxos“ aus der Sicht von Hans Neuenfels werden. Der 73-Jährige findet: „Kunstwerke warten darauf, ständig neu entschlüsselt zu werden. Das wohnt dem Kunstwerk inne, deshalb geht es ohne Regietheater gar nicht.“ Ein Werk verlange nach Interpretation, nach einer Haltung. Nun will der in der Griechen-Mythologie bestens Bewanderte das artifizielle Gespinst von Hugo von Hofmansthal und Richard Strauss mit Leben füllen. Als Ariadne agiert Camilla Nylund.

Deutsche Oper

An der Deutschen Oper Berlin bleibt es im Herbst still. Der Einbau einer neuen Bühnenmaschinerie verzögert dort den Beginn der neuen Spielzeit. Eine konzertante „Dinorah“ von Giacomo Meyerbeer in der Philharmonie (1. Oktober) mit Patrizia Ciofi in der Titelrolle ist kein Trost. Erst im Januar geht’s im großen Haus wieder los.

Magere vier Neuinszenierungen stehen an. Zum Auftakt nimmt Generalmusikdirektor Donald Runnicles sich Dmitrij Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mezensk“ vor. Die Frau, die ihren Mann und ihren Schwiegervater ermordet, verkörpert Evelyn Herlitzius. Regie führt Ole Anders Tandberg (Premiere: 25. Januar). Lustig dürfte Rolando Villazóns Interpretation von Puccinis Komödie „La Rondine“ werden (8. März). Er selbst singt jedoch nicht. Eine Übernahme des Berlioz-Balletts „Roméo und Juliette“ von Sasha Waltz aus Paris und Charles Gounods „Faust“ in einer Neuinszenierung durch Philipp Stölzl runden das Programm ab. In den nächsten Jahren will man Meyerbeer szenisch auffahren: „Vasco da Gama“, „Die Hugenotten“ und „Der Prophet“. Alle waren einst Kassenschlager. Ob sich an diese Erfolge aus dem 19. Jahrhundert anknüpfen lässt, darf eher bezweifelt werden.

Komische Oper

Was spielt die Komische Oper für Trümpfe aus? Barrie Kosky, mit dem Internationalen Opera Award als „Regisseur des Jahres“ ausgezeichnet, wird Travestie bieten und nimmt dafür „Die schöne Helena“ von Jacques Offenbach zum Anlass (Premiere 11. Oktober). Doch auch das Kontrastprogramm, Arnold Schönbergs „Moses und Aron“, weiß man bei Kosky in besten Händen. Aus dem Schatz jüdischer Bildwelten schöpfend, erzählt er den Exodus der Israeliten als Parabel des suchenden Menschen.

Ins Haus holt sich der Intendant daneben den Spezialisten des Abgründigen, Calixto Bieito, sowie den Meister theatralen Wahnwitzes Herbert Fritsch. Der Spanier wird Puccinis „Gianni Schicchi“ und das Psychodrama „Herzog Blaubarts Burg“ ins Visier nehmen, der Volksbühnen-Star Mozarts „Don Giovanni“. Er gibt hier seinen Einstand als Opernregie-Zuchtmeister (am 30. November). Es dürfte das Ereignis der Spielzeit in Berlin werden.

www.staatsoper-berlin.de, www.komische-oper-berlin.de, www.deutscheoperberlin.de

Von Andrea Hilgenstock

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