Katalog zu Ausstellung und Debatte über Kunst und Religion

Ohne Verständigung

Ein Schwarm von Mariendarstellungen: Ausschnitt aus Annelies Strbas 67 „Madonnen“ war im Kunstverein zu sehen. Archivfoto: Socher

Kassel. Symposium - dieser Ausdruck für eine Fachtagung leitet sich von den griechischen Begriffen für Gastmahl und „zusammen trinken, an einem Gelage teilnehmen“ ab. So verstanden die Künstler Patrick Huber und Ute Linder im Juli 2010 im Kasseler Kunstverein das achte Projekt ihrer Reihe „Copyright“.

Als Kombination aus Ausstellung (unter anderem mit den Kasseler Professoren Urs Lüthi und Björn Melhus), lukullischen Genüssen und intellektuellem Austausch. In einer Publikation werden die Debatte wie die künstlerischen Positionen dokumentiert.

Ein Gelage war es nicht, was Huber und Lindner - gefördert von der Kasseler Walter-Heilwagen-Stiftung - veranstalteten, obwohl es, vom Künstler und Koch Bernhard Thome, Leckereien wie Ceviche von der Jakobsmuschel auf Aloe-vera-Gelee und leichtem Limonenschaum oder Schwarzbeeren-Creme und weiße Mousse in der Petrischale gab. Vor allem war der Abend eine erbitterte Diskussion zur Rolle der Kunst gegenüber von Ethik, Wissenschaft und Religion.

Unversöhnlich prallten die Auffassungen aufeinander. Der katholische Theologe Dr. Guido Schlimbach (Kunst-Station St. Peter Köln) sieht zwar gerade „im auflösenden Zweifel gegenüber falschen und überholten Gewissheiten“ den sensiblen und zugleich kreativen Berührungs- und Spannungspunkt von Kunst und Religion. Wenn er aber postuliert: „Wenn die Religion der Kunst ihre Räume öffnet, kann sie der Kunst zu höchster Qualität verhelfen“, dann gibt es keine Verständigungsbasis mit dem aggressiven Atheismus eines Dr. Michael Schmidt-Salomon, der den Menschen als lediglich „zufälliges, vorübergehendes Randphänomen in einem sinnleeren Universum“ betrachtet.

Wo der Kasseler Theologie-Professor Tom Kleffmann seinem Kollegen beispringt - gerade Zweifel auszuhalten unterscheide lebendigen Glauben und Ideologie -, sieht Bernhard Balkenhol, Vorsitzender des Kunstvereins, im Zweifel die Aufgabe der Kunst. Sie interessiere sich für Differenzen, Widersprüche, stehe im grundsätzlichen Gegensatz zu kirchlichem Denken: „Sie ist keine Illustration von Wahrheiten oder Erlösungsversprechen.“

Interessant ist auch, das Statement des Künstlers Harry Walter nachzulesen, das in der Veranstaltung für Amüsement gesorgt hatte. Jetzt wird die Bitterkeit seiner ironischen Provokation deutlicher: „Die Kunst hat heute, wie die Gesellschaft als Ganzes, das Stadium vollendeten Mittelmaßes erreicht.“

Copyright Magazin No. 8: Vom Himmel der Ästhetik und die Moral von der Geschicht. 84 S., 15 Euro. www.copyright-projekt.de, Tel. 030/44048984.

Von Mark-Christian von Busse

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