Ohne Weichspüler: Das Trio Oliwood bei „Jazz im tif“ 

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Trio Oliwood: (von links) Kalle Kalima, Oli Steidle und Frank Gratkowski.

Kassel. Vielleicht lag es am Champions-League-Spiel zwischen dem FC Barcelona und Bayern München, dass der jüngste „Jazz im tif“ nur mäßig besucht war. Gleichwohl wurde es ein großartiges Konzert. Jazz aus der Champions League mit einem klaren 3:0 für die Musiker.

Schräg und unterhaltsam war das Berliner Trio Oliwood. Gerade der kommerziell erfolgreiche Jazz gibt sich heute oft etwas weichgespült. Hier wurde ein wilder Kontrapunkt gesetzt. Statt Balladen war avantgardistischer Witz angesagt, statt Wohlklang gab’s etwas auf die Ohren.

Famos dabei der Schlagzeuger Oliver Steidle, der komplexe Rhythmen so selbstverständlich trommelte, als wären sie einfache Rock-Grooves. Kalle Kalima verstärkte an der E-Gitarre das aufgeraute Klangbild, und Altsaxofonist Frank Gratkowski kannte sich im hohen Tempo ebenso aus wie mit pfeifenden Sounds.

Doch nicht allein die Spieltechnik sorgte für ein außergewöhnliches Vergnügen. Das Trio servierte verwegene Kreationen. Energieströme bauten sich auf, brachen abrupt zusammen. Einmal begann ein Stück mit einem locker gefügten Klangfeld, dann schaukelte es sich zum Powerplay auf, und just am Höhepunkt ging es in ein von Pausen durchlöchertes Gebilde über.

Neben dem klingenden Testosteron hatten die Musiker auch diverse Scherze auf Lager – etwa über die Ringelsocken des Saxofonisten. Und in einer Komposition wurde Limburgs Ex-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst mit Rossinis „Diebischer Elster“ zusammengebracht.

Zuletzt hieß es vor den 20 begeisterten Zuhörern: „Wir spielen die Zugabe von gestern noch mal.“

Von Georg Pepl

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