Olaf Schubert: Die Flachsraketen zünden

„Ich war so ein Hänfling und heute bin ich so ein Schrank“: Olaf Schubert ist „sexy forever“ in Baunatal. Foto: Hedler

Baunatal. „Sexy forever": Olaf Schubert hat die Westdeutschland-Premiere seines neuen Programms nach Baunatal verlegt. Donnerstagabend trat er in der Stadthalle auf.

„Sexy forever“ heißt das neue Programm von Olaf Schubert, mit dem der 48-Jährige am Donnerstagabend in der so gut wie ausverkauften Baunataler Stadthalle seine Westdeutschland-Premiere feierte – am Vorabend war er in Gotha aufgetreten. Dass der Comedian mehr seine „sinnliche Seite präsentieren“ wollte, war allerdings eine eher zwiespältige Ankündigung.

Der aus TV-Formaten wie „Olaf verbessert die Welt“ und der „heute show“ bekannte Schubert gilt ja nicht gerade als Sexsymbol seiner sächsischen Heimat („Ich bin ein kleiner Hüne, ein Hühnchen“). Zwar gibt es Anmachtipps („Ich bin so schlecht im Bett, das musst du erlebt haben“) und die mit jeder Menge „Sachsen-Sohl“ (Soul) präsentierte Hymne auf eine Pamela. Schubert macht sich Gedanken über Schönheitsideale („das Auge sieht mit“), -chirurgie („Änderungsfleischerei“) in der Bio-Version mit Hirse- und Hummus-Implantaten und dass es einen Unterschied macht, ob „eine Fregatte oder ein Frachtkahn in den Hafen der Ehe einsegelt“: „So eine Ehe zieht sich, das geht ja oft über Monate.“ Ein Tänzer namens „Machete“ sorgt bei einem Titel für echte Erotik.

Ansonsten aber kommt alles aufs Tapet, was Schubert „unterm Pullunder brennt“ – immer auf dem schmalen Grat zwischen geistreich und albern, zweideutig und eindeutig, seriös und sarkastisch. Man weiß oft nicht genau, woran man bei ihm ist: Was meint dieser Mann wirklich ernst?

Manchmal erstirbt das Lachen der fast 800 begeisterten Besucher, wenn Schubert über sechsjährige Kinder spricht, die in in Bangladesch in Textilfabriken schuften: Das Zeug sei so „lieblos zusammengeschustert“, „das kann man nicht alles auf die Beleuchtungsverhältnisse schieben“.

„Kein Mensch geht freiwillig zu den Tschechen“, sagt er über Flüchtlinge, das sei ja, wie „neben einem offenen Kühlschrank eine Dose Katzenfutter öffnen“. Tschechien heiße „Bockbier zum Frühstück – dann ist Feierabend“.

Im nächsten Moment reflektiert Schubert feinsinnig über „Pegideure und Pegidisten“, „kollektives Muselmanengruseln“, die „ordentliche deutsche Premium-DNA“ und die Dresdner „Gravitationskraft für braunen Feinstaub“. Die NPD will er unter Artenschutz stellen statt verbieten, wegen „seltener Blödheit“.

Brillant ist Schubert, wenn er sich kunstvoll verheddert und in seinen Gedanken verstrickt: „Ich lebe spartanisch, abgesehen von meinem ausschweifenden Lebenswandel.“ „Ich bin ein Einzelkind, so wie alle meine Geschwister.“

Unterstützt wird Schubert wieder von „Herrn Stephan“, Bert Stephan, am Bass, und Jochen Barkas. Der Gitarrist sitzt mit Leichenbittermiene da und erträgt erneut stoisch Gemeinheiten schlimmster Art – Schubert strapaziert dieses Dauermobbing über. Er hat auch noch nicht ganz das präzise, perfekte Timing wie bei seinem Vellmarer Auftritt 2015, aber die „Flachsraketen“ zünden, die Ankündigungen der ersten Minuten, „ein Höhepunkt wartet vergeblich auf den nächsten“ und „Ich habe weder Kosten noch Mühe gehabt, Ihnen etwas zu bieten“, erweisen sich als falsches Versprechen.

Olaf Schuberts Flachsraketen zünden

Schubert fordert „Tole-ranz, ranz, ranz“, schlägt die Triangel dazu, dann singt er „berühr den anderen, geh auf ihn zu“ und liefert einen klasse Trommelwirbel. Zum Schluss steigt er, selbst nach eigenem Bekunden „verlorene Frucht eines hastigen Koitusses“, von der Bühne, segnet die erste Reihe und fordert zum Geschlechtsverkehr auf („Man kann ja an was Schönes denken“). „Zeugt“, singt er, „pflanzt euch fort“: „Ich würde mich freuen, wenn ihr das Kind Olaf nennt.“

Olaf Schubert kommt am 8. April 2017 in die Kasseler Stadthalle. HNA-Kartenservice: Tel. 0561/203204

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