Olympiareife Vorleser: Spätlese-Party im Dock 4 wird zur langen Lesenacht

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Lasen bei der Spätlese-Party: Die Wienerin Hilde Drexler (von links), die Erlanger Autoren Philip Krömer und Joseph Felix Ernst sowie die ehemalige HNA-Redakteurin Saskia Trebing, die nun in Berlin lebt.

Kassel. Als Autorin hat man es in Berlin nicht leicht, hat Saskia Trebing festgestellt. In der ganzen Stadt gibt es Lesebühnen, wo viele der unzähligen Schriftsteller aus der Hauptstadt Woche für Woche ihre Texte vortragen.

„Ich freue mich immer, wenn ich jemanden treffe, der nicht schreibt“, gestand die ehemalige HNA-Redakteurin, die seit 2010 in der Hauptstadt studiert, bloggt und Kurzgeschichten schreibt, am Dienstag bei der „Spätlese“-Party im Kulturhaus Dock 4. Trebings alte Heimat Kassel war dagegen bislang Lesebühnen-Niemandsland. Das hat Helen MacCormac geändert. Seit vorigen Sommer hat die Übersetzerin mit der „Spätlese“-Reihe im Literaturhaus Nordhessen eine offene Bühne etabliert. Dass die so gut angenommen wurde mit durchschnittlich zwölf Vorlesern (vom Schüler bis zur Rentnerin), wurde nun gefeiert. Vier junge preisgekrönte Autoren lasen im Zwischendeck vor 80 Gästen. Dazu gab es bis halb eins Musik von den Singer/Songwritern Noriega Mind und Julian Dominique, dem Duo Lowfield und der Band „Wir bringen kalten Kaffee mit“.

Keinen kalten Kaffee, sondern den „heißesten Literatur-Scheiß“, wie man beim Berliner Open-Mike-Wettbewerb sagen würde, boten die Autoren. Philipp Krömer (27) aus Erlangen, der beim renommierten Wettlesen der jungen Literaturszene im Vorjahr den Publikumspreis gewonnen hatte, las aus seinem Debütroman über drei Männer, die sich 1939 auf eine Expedition begeben. „Das Unsinnigste“, bekannte er, interessiere ihn am meisten.

Sein Kumpel Joseph Felix Ernst (26), der den Open Mike 2011 gewann, entführte in die Bauernwelt des 19. Jahrhunderts und verwendete so schöne Begriffe wie „brunzen“, dem in Bayern gern gebrauchten Begriff für „urinieren“.

Trebing (28) las eine brutale Kurzgeschichte über einen Fuchs. Und die Österreicherin Hilde Drexler trug in schönstem Wienerisch einen Text vor, der sich damit befasste, wie man eine Geschichte schreiben sollte. Das war olympiareif. Dort kennt sich die 31-Jährige schon aus: Drexler ist vierfache österreichische Meisterin im Judo und nahm 2012 an den Spielen in London teil.

MacCormacs Fazit war darum passend: „Wir müssen uns keine Sorgen um die deutschsprachige Literatur machen. Alles wird gut.“

Nächste Offene Bühne im Literaturhaus im Kunsttempel Mitte April.

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