Ein Kracher folgte dem nächsten

Open Flair: Billy Talent als starker Headliner - SDP mit lustloser Show

Ließ keine Wünsche offen: Benjamin Kowalewicz, Sänger von Billy Talent. Fotos: Sagawe

Eschwege. Billy Talent lieferten beim Open Flair in Eschwege eine starke Show - während SDP enttäuschten.

„Hört verflucht noch mal auf, euch zu schubsen! Stellt euch vor, die Leute um euch herum sind eure Schwester, euer Bruder, eure Mutter – passt aufeinander auf!“ Dreimal musste Benjamin Kowalewicz, Sänger von Billy Talent, sein Publikum beim Open Flair mit seiner markant schrillen Stimme zu mehr Rücksicht beim Tanzen auffordern: „Stop fucking pushing each other! Imagine the people around you are your sister, your brother, your mother – take care of each other!“

Denn die Kanadier lieferten am Samstagabend in Eschwege einen Auftritt ab, der bei Fans der Punk- und Alternative-Rock-Band keine Wünsche offen ließ. Hatten manche im Vorfeld die leise Befürchtung gehabt, die Headliner des vorletzten Festivaltags würden ähnliche Starallüren an den Tag legen wie Limp Bizkit im vergangenen Jahr, deren Auftritt mit viel Gerede und nur halb angespielten Liedern von vielen als lieblos empfunden worden war, wurden sie schnell eines Besseren belehrt: Geschlagene anderthalb Stunden spielte Billy Talent genauso stimm- und klanggewaltig wie auf den im Tonstudio abgemischten CDs einen Kracher nach dem anderen, darunter „Devil in a Midnight Mass“, „Surrender“, „Try honesty“, „Fallen Leaves“ und „Rusted from the Rain“.

„Red Flag“ als wohl bekanntestes Lied der vier Musiker durfte bei der Zugabe selbstverständlich nicht fehlen. Nur zweimal hatte das Publikum kurz Zeit, um Luft zu holen, als Kowalewicz – wie bereits einige Bands vor ihm – die Gelegenheit nutzte, um an die kürzlich verstorbenen Musiker Chris Cornell (Soundgarden) und Chester Bennington (Linkin Park) zu erinnern und ein politisches Statement, unter anderem gegen US-Präsident Donald Trump, loszuwerden.

Eher enttäuschend hingegen war der vorangegangene Auftritt der beiden Musiker von SDP. Die Berliner schienen auf der Bühne mehr mit sich selbst beschäftigt zu sein, statt mit dem Publikum zu interagieren. Die Showeinlagen, wie der Wurf einer glimmenden Zigarette auf den Boden, welche einen kleinen Flammeneffekt auslöste, wirkten eher lächerlich als einfallsreich, der Kracher „Eigentlich wollte er nie ein Liebeslied schreiben“ wurde nur kurz und halbherzig angespielt und andere Lieder in unbekannten Varianten gebracht, die definitiv schlechter als das Original waren. Auf eine Zugabe wartete das Publikum am Ende vergeblich.

Am Freitagabend hatten bereits Alligatoah und die Broilers das Publikum begeistert.

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