Open Flair: The Hives verlangen dem Publikum einiges ab

Unwiderstehliche Nervensäge in Matrosen-Kleidung: Pelle Almquist von The Hives. Foto:  Socher

Eschwege. So ist das beim Rock 'n' Roll: Nur die Hoppelhäschen dürfen auf die Bühne und angeregt ihre Hinterteile mit Bommelschwänzchen schwingen. Zu dieser Erkenntnis kam zumindest das Open-Flair-Publikum am Samstag beim Konzert der Deutschrockband Madsen.

Für ein Stück holte Sänger Sebastian drei rosa verpackte Herren aus dem Publikum, die sich zwischen den Bandmitgliedern so rhythmisch und grazil bewegten, wie es ein pelziges Hasenkostüm eben zulässt. „Das sind endlich mal anständige Bunnys“, rief Sebastian Madsen der Menge zu.

Die Brüderband aus dem Wendland war besonders für viele weibliche Zuschauer der Höhepunkt des sonnigen Open-Flair-Samstags in Eschwege. Die vier grundsympathischen Musiker haben seit 2004 so viel Festivalerfahrung gesammelt, dass sie inzwischen ein Publikum auch im Halbschlaf und zwischen zwei Partien Schach beherrschen. „Nicht zu gut, nicht zu schlecht, nicht zu schlecht, nicht zu falsch und nicht zu echt“ heißt eine Zeile ihrer Urschrei-Hymne „Die Perfektion“. Und auch das komplette Konzert kam so energiegeladen daher, dass man sich einfach darüber freuen musste.

Vorher hatten schon The Gaslight Anthem aus New Jersey und Ska-P aus Madrid die Fans auf dem Hauptgelände aufgewärmt. Bei den US-Rockern und ihrem oft zu gebügelten Stadionrock sprang jedoch der Funke nicht wirklich auf die see- und sonnenlaunigen Zuhörer über. Erst als Ska-P ihre Revolutionssehnsüchte in eine furiose Show mit Stelzenläufer und Bläserstakkato verpackten, tanzte ganz Eschwege zum ersten Mal richtig. Der Herrscher des Flair-Samstages war jedoch zweifellos der schwedische Punk-Fünferpack The Hives. Uniformiert in steif gebügelter Matrosenkluft spielte die Band ihre atemlosen Gitarren-Gewitterschauer, die Stillstehen schlicht nicht erlauben. Sänger Pelle Almquist entpuppte sich einmal mehr als unwiderstehliche Nervensäge, dem das Kommunizieren in normaler ohrenverträglicher Lautstärke unmöglich zu sein scheint. Immerhin schrie er sein Publikum in charmant verdrehtem Schuldeutsch an („Willst ihr meine Lieblings sein? Ist ihr heiß in eure Glieder?“) und verlangte dem tapfer rockenden Publikum einiges an Einsatz ab. Der hyperaktive Mädchenschwarm erschmeichelte sich sogar einen kollektiven Hives-Treueschwur und fliegt nach der „Bühnenheirat“ nun mit 15 000 neuen Ehepartnern nach Hause.

Die Hochzeitsnacht verbrachten die Festivalgänger dann aber doch unter sich. Entweder bei der Band Klee an der Seebühne oder auf den traditionellen Zeltpartys mit Dosenbier und Sonnenbrand, die einfach nicht fehlen dürfen. Um erfahrenes Open-Flair-Publikum müde zu bekommen, braucht es schließlich schon mehr als einen Tag voll bewegungsintensiver Konzerte.

Mehr Fotos und Videos zum Festival gibt es unter www.hna.de/kultur

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.