Sopranistin Rita Balta mit einem Seither-Solo

Oper für eine Frau

Kassel. Eine wunderbare Bereicherung ist das Festival „Neue Musik in der Kirche“. Im Mittelpunkt steht die Komponistin Charlotte Seither, aus deren beeindruckendem Schaffen nun eine weitere Facette vorgestellt wurde. Beim dritten Konzert gab es in der gut gefüllten Chorkirche der Martinskirche Seithers „One-woman-opera“ für Frauenstimme mit Handpercussion.

Zwei Texte werden umgesetzt, einer von Christine Lemke-Matwey, der mit der Klage „Ich sehe heute nicht gut aus“ beginnt, sowie mystische Barocklyrik von Angelus Silesius. In der Abfolge eines turbulenten und eines kontemplativen Teils mag man das alte Schema von Rezitativ/Szene und Arie erkennen.

Seither selbst versteht das Stück als Radikalisierung des Genres Kurzoper. Die Sängerin übernimmt sämtliche Bühnenfunktionen, ist Innen und Außen, Ich und Du, Solistin und Orchester. Das kam effektvoll wie präzise geformt daher - und war eine anrührende Reflexion über feminine Sorgen.

Fesselnde Sopranistin

Als fesselnde Protagonistin agierte Rita Balta, die auch mit Stücken von Mindaugas Urbaitis und Giacinto Scelsi zu überzeugen wusste. Zudem erklangen - etwas manieriert gesungen - Barockmelodien von Heinrich Albert mit der Orgelbegleitung von Kantor Eckhard Manz.

Zum Kennenlernen oder zum Wiederlesen animierten die Lesungen von Pfarrer Willi Temme, unter anderem aus dem Essay „Wo sind wir, wenn wir Musik hören?“ von Peter Sloterdijk: „Die Engel stellt man zu Recht als Musizierende vor - sie klingen nur, sie hören nichts. Wären sie Hörende, so glichen sie uns. Wir aber sind zur Musik verdammt wie zur Sehnsucht und zur Freiheit.“

Von Georg Pepl

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