Ruhrtriennale in Bochum mit Musiktheater von John Cage eröffnet

Oper als Wettbewerb

Opulente Bühnenbilder ohne Sinn: Szene aus John Cages „Europeras 1 & 2“ in Bochum. Foto:  Ursula Kaufmann

Bochum. Hohe Erwartungen waren mit der Eröffnung der Ruhrtriennale in diesem Jahr verbunden: Ein neuer Intendant gab seine Visitenkarte ab: Heiner Goebbels (60). Der Komponist und Regisseur hat nicht nur ein höchst selten gespieltes Werk auf den Spielplan gesetzt, John Cages „Europeras 1 & 2“, er führt auch selbst Regie. Goebbels gilt als radikaler Neuerer. An John Cage zu dessen 100. Geburtstag zu erinnern, war da nur konsequent.

„Europeras“ ist ein Wortspiel. Man kann „Europeras“ als „Eure Opern“ verstehen, aber auch als „Europas Opern“. Im Programmbuch wird der US-amerikanische Komponist so zitiert: Europa habe 200 Jahre lang seine Opern Amerika geschickt, jetzt wolle er sie uns alle zurückschicken.

John Cage hat sie schön zugerichtet. Die Geschichten sind weg, der Dirigent verbannt, das Orchester auf 30 Musiker geschrumpft. Einige Arien werden gesungen - bei der Auswahl ließ Cage sich vom „I Ging“, dem chinesischen „Buch der Wandlungen“, leiten.

Den heiteren Grundgestus übernahm Goebbels in seine Inszenierung, die am Freitag in der Bochumer Jahrhunderthalle Premiere hatte: Nichts passt zusammen. Das Orchester besteht aus Solisten, jeder spielt seinen Part unabgestimmt mit den Kollegen und den Sängern. Bühnenbilder werden von einem Heer von Assistenten wie willkürlich auf- und abgebaut, jede Handlung ist verbannt. Die Einzelkünste, die sich sonst der Musik unterordnen, treten in Wettbewerb, wer die größte Aufmerksamkeit für sich verbuchen kann.

Die zweite Oper nach der Pause ist weit weniger opulent. Hier stehen die Sänger vor der Zeichnung einer Stadt, ihre Kostüme erinnern ans 19. Jahrhundert, ihre Melodien wie die Lichtstimmungen rufen eine tiefe Depression hervor. Allerdings wirkt Goebbels versöhnlicher als Cage. Hätte der Regisseur Cages Attacken beherzter umgesetzt, wären sie mutmaßlich wirksamer geworden. So endete der Schlussbeifall relativ rasch. (dpa)

Von Ulrich Fischer

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