Operettenlaune und viel Schmäh

Die Musiker durften sich gegenseitig Beifall spenden: Das Staatsorchester unter der Leitung von Patrik Ringborg beim Neujahrskonzert im Opernhaus. Foto: Schachtschneider

Kassel. Beim Neujahrskonzert im Opernhaus war auch Mitsingen gefragt - und den Radetzkymarsch gab es zum Mitklatschen.

Zum Mitsingen forderte Generalmusikdirektor Patrik Ringborg die Zuhörer im vollen Opernhaus auf, worauf sie „Mein Hut, der hat drei Ecken“ anstimmten. Sonderbar bei einem Neujahrskonzert? Keineswegs, denn es gab das Volkslied in der schmucken Version von Johann Strauss (Vater).

Der hat seine „Erinnerungen an Ernst oder der Carneval in Venedig“ dem Violinvirtuosen Heinrich Wilhelm Ernst gewidmet und mit Einlagen von der Piccoloflöte bis zum Kontrabass aufgebrezelt. Eine prima Gelegenheit für solistisches Punktesammeln beim Staatsorchester. Auch ganz reizend: Die Musiker durften sich gegenseitig Beifall spenden.

Strauss-Vater war nicht der Einzige aus der Wiener Musiker-Dynastie, den man mit Esprit und Schmäh feierte. Der Walzerkönig Johann Strauss (Sohn) und dessen jüngerer Bruder Josef waren ebenfalls vertreten, außerdem gab’s Schmankerl von Emmerich Kálmán und Sohn Charles.

Die Bandbreite reichte von Josef Strauss’ romantischem Sphärenklänge-Walzer bis zum gepfefferten Kálmán-Stück „Grand Palotas de la Reine“. Humorvolle Einlagen in den Polkas inbegriffen. Gewehrschüsse knallten, Vogelstimmen riefen, und in der Schnellpolka „Auf Ferienreisen“ passte das Outfit: Dirigent Ringborg hatte etwa ein Badetuch mit der Aufschrift „Maestro“ umgewickelt.

Auch fünf Sänger hießen das neue Jahr willkommen. Als Sahnestück erwies sich „O habet acht“ aus der Strauss-Operette „Der Zigeunerbaron“ - Sopranistin Hulkar Sabirova sang nuancenreich wie in einer großen Arie. Lustig war es, als Dieter Hönig in Kálmáns Stradivari-Lied die Geige mit den Frauen verglich - zu Ungunsten Letzterer. Zuvor sagte er entschuldigend: „Sollten Sie den Text verstehen, dann betrachten Sie ihn großmütig als zeitgeschichtliches Dokument.“

Operettenlaune versprühten auch Tenor Tobias Hächler, Bariton Hansung Yoo, Koloratursopranistin Joanna Wydorska und Moderatorin Insa Pijanka. Viel Beifall, drei Zugaben, gipfelnd im Radetzkymarsch zum Mitklatschen.

Von Georg Pepl

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