Opulente Komödie: Volker Schmalöer inszeniert „Die lustige Witwe“

Kassel. Wo sind wir denn da gelandet? Der Flughafen als Ort zwischen den Orten, ein Niemandsland zwischen Paris und dem Balkan-Fantasiestaat Pontevedro ist in Kassel der Schauplatz von Franz Léhars Operettenhit „Die lustige Witwe“.

Einen zweckmäßigen hellen Raum mit offenen Wänden und Blumeninsel in der Mitte hat Lars Peter gebaut. Für Kolorit und Atmosphäre sorgen diesmal die wechselnden und außergewöhnlich prachtvollen Kostüme von Andreas Janczyk.

Allerdings nicht zu Beginn: Ärmlich umrahmt das Volk das Fest des pontevedrinischen Gesandten Baron Zeta (Dieter Hönig). Der gibt die Parole aus: Ein Pontevedriner muss die reiche Witwe Hanna Glawari (Christiane Boesiger) heiraten, um dem Operettenstaat ihre Millionen zu sichern: „Süß ist es, fürs Vaterland zu erben“.

Graf Danilo (Stefan Zenkl) liebt Hanna, will aber nicht als Mitgiftjäger dastehen und geht lieber „zu Maxim“. Kompliziert wird die Geschichte, weil Zetas Gattin Valencienne (Maren Engelhardt) den Pariser Camille liebt, aber dennoch eine „anständige Frau“ bleiben will.

Regisseur Volker Schmalöer trifft den Kern des Stücks, wenn er zeigt, dass Liebe, Eifersucht, Intrigen und Geschäfte zwar nett und interessant sind, sich aber dem einzigen Ziel unterordnen müssen: dem Amüsement. Genau das will man auch dem Kasseler Publikum bieten, und der lange, rhythmische Beifall bei der Premiere im fast ausverkauften Opernhaus beweist: Es ist gelungen.

Schmalöer hat den Mut, die gesprochenen Dialoge, die oft zusammengestrichen werden, ausspielen zu lassen. So wird diese Operette, die oft als bloße Aneinanderreihung von Hits wie „Ich bin eine anständige Frau“, „Da geh ich zu Maxim“, „Lippen schweigen“ und „Das Studium der Weiber ist schwer“ auf die Bühne kommt, zum Stück der Darsteller.

Allen voran für Stefan Zenkl, der als leicht naiver Graf Danilo ebenso mit seiner kraftvoll-eleganten Baritonstimme punktet wie mit seinem jungenhaften Charme und seiner österreichischen Dialektfärbung. Christiane Boesiger ist als Hanna ein eleganter Wirbelwind und bewältigt ihre Partie auch stimmlich achtbar. Klar, dass die beiden sich am Ende kriegen müssen.

Ein Traum-Operettenpaar sind Maren Engelhardt als Valencienne und Johannes An als Camille. Komisch und ernsthaft zugleich, sängerisch strahlend und berückend - das kleine Drama um Liebe und Verzicht geht ans Herz.

Ansonsten ist die Komödie Trumpf: Dieter Hönig als Baron Zeta erweist sich einmal mehr als wirkungsstarker Sängerkomödiant, und auch die übrigen Figuren reihen sich da stimmlich wie darstellerisch ein. Echte Comedian-Qualitäten zeigt Bernhard Modes in der Sprechrerolle des Kanzlisten Njegus.

Spielfreude und sängerischer Glanz auch beim Opernchor, und das Tanzensemble (Choreografie: Alonso Barros) verleiht sorgt seinen Einlagen für witzige wie auch für coole optische Akzente. Etwa in der folkloristischen Darbietung beim pontevedrinischen Fest. Ein besonderer Gag am Ende begeisterte das Publikum: Beim Tanz der Grisetten trugen die Chorsängerinnen aufgeplusterte Show-Bikinis, wie von Botero gemalt. Das wirkt zwar eher etwas plump als pariserisch frivol, war aber sehr lustig.

Für guten Schwung und punktgenaues Spiel aus dem Orchestergraben sorgte Kapellmeister Alexander Hannemann, wobei die Premierenanspannung der Musik vielleicht etwas von ihrer Leichtigkeit nahm.

Wieder am 1., 3., 12., 17. und 24. Februar. Karten: Tel. 0561/ 1094-222.

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