Am Samstag hat Händels „Saul“ im Opernhaus in szenischer Form Premiere

Das Oratorium, das eine Oper ist

Jörg Halubek Foto: Fritsch

Kassel. Wahrscheinlich wird es den Premierenbesuchern am Samstag nicht auffallen, dass das, was sie sehen und hören, keine Oper, sondern ein Oratorium ist. Händels „Saul“ ist „theatralischer als manche Barockoper“, sagt Regisseurin Katharina Thoma, die in Kassel zuletzt Mozarts „Zauberflöte“ inszenierte.

Für Jörg Halubek, den Alte-Musik-Spezialisten, der in Kassel bereits die Barockopern „Griselda“ (Scarlatti) und „L’Olimpiade“ (Vivaldi) leitete, hat Händel sich mit diesem Werk quasi neu erfunden. „Da ist sehr viel Farbe drin, viel Subtilität“, was sich schon am ungewöhnlich reichen Instrumentarium mit Trompeten, Posaunen, Glockenspiel und Orgel zeige.

Besonders zupackend ist die Musik, so Halubek, weil sie aus vielen kurzen Nummern besteht. Kaum einmal gibt es lange Arien mit Wiederholungen, sondern es geht hier musikalisch Schlag auf Schlag.

Halubek machen die Proben zu diesem Stück auch deshalb viel Spaß, weil sich das Staatsorchester bereits intensiv auf die barocke Spielweise eingestellt hat. Zum ersten Mal spielen die Streicher diesmal mit Barockbögen, die eine noch feinere Artikulation erlauben.

Das Lob für die Musiker erweitert Regisseurin Katharina Thoma auf das Sänger-Ensemble. Da bei „Saul“ die Arien weniger die Seelenzustände der Protagonisten spiegeln als vielmehr die Handlung vorantreiben, sind die Sänger auch darstellerisch besonders gefordert. Was Thoma an der Handlung besonders reizt, ist der Gegensatz zwischen Volksszenen, in denen der Chor eine große Rolle spielt und in denen es um Massenpsychologie geht, und dem „Kammerspiel“, in dem die „Familiengeschichte“ der Hauptfiguren um Saul und David im Mittelpunkt steht.

Dass König Saul angesichts der charismatischen Erscheinung Davids eifersüchtig wird und Neidgefühle zeigt, findet Thoma nachvollziehbar. Ob man Sauls Schicksal aber psychologisch deutet oder als Teil eines göttlichen Plans begreift, wie in der Bibel beschrieben, bleibe jedem selbst überlassen.

Premiere: Samstag, 19.30 Uhr, Opernhaus. Karten: Tel. 0561/ 1094-222.

Von Werner Fritsch

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