Das European Union Youth Orchestra begeisterte zum Abschluss des Kultursommers Nordhessen in Kassel

Krönender Abschluss: Union Youth Orchestra begeisterte beim Kultursommer

Musiker aus ganz Europa in der Kasseler Stadthalle vereint: Vladimir Ashkenazy und das European Union Youth Orchestra. Foto: Herzog

Kassel. Wenn 130 junge Musiker zwischen 16 und 24 Jahren auf der Bühne der Kasseler Stadthalle sitzen, die Musikerinnen ein blaues Tuch mit Sternenkranz tragen und dahinter die Nationalflaggen der Europäischen Union aufgestellt sind, dann hat das durchaus etwas Feierliches. Passend für das Abschlusskonzert des Kultursommers Nordhessen vor tausend Zuhörern.

Allerdings war das Auftreten der jungen Musiker keineswegs gemessen. Im Gegenteil: Selbst für ein Jugendorchester ist das European Union Youth Orchestra (EUYO) ein ungewöhnlich zupackendes Ensemble.

Da kam das Eingangsstück, Igor Strawinskys „Feuervogel“-Suite gerade recht, um die lebhafte Spielfreude und das instrumentale Können vorzuführen. Und da mit Vladimir Ashkenazy (74) ein Top-Dirigent der internationalen Szene am Pult stand, erlebten die Zuhörer eine eindrucksvoll gestaltete musikalische Bilderfolge von der fahlen Introduktion, dem farbenreichen Porträt des Feuervogels bis zum Höhepunkt, dem wilden „Höllentanz des Königs Kastschei“.

Bei Mahlers erster Sinfonie ließ sich dann gut verfolgen, was Auswahlorchester hoch begabter junger Musiker wie das EUYO sehr gut können, und was sie nicht so gut können. Spieltechnisch sind diese Instrumentalisten in Bestform, und sieht man von kleinen Wacklern in den Hörnern ab, dann beeindruckten vor allem die Bläser mit wunderbar gestalteten Soli. Fast musste Ashkenazy den Überschwang etwas dämpfen, so bei der etwas zu eifrigen Tuba.

Schwieriger war es allerdings für die Jugendlichen, sich in die Ausdruckswelt Mahlers einzufühlen. Schon den Zeitgenossen des Komponisten fiel es schwer, die Ironie, ja den bitteren Sarkasmus Mahlers zu verstehen und die Schönheiten seiner Musik nicht als Kitsch, sondern als Ausdruck unendlicher Sehnsucht. Die jungen Europäer spielten die ersten drei Sätze dagegen mit dem ungebrochenen Optimismus von Dvorˇáks „Sinfonie aus der Neuen Welt“.

Der zweite Satz, das Scherzo, begann mit fröhlichem Überschwang, auch der Ländlerteil verzichtete auf Schmäh. Der dritte Satz mit dem berühmten Bruder-Jakob-Kanon wurde vom Solobass nicht quälend, sondern mit feinem Vibrato gespielt, und auch der Totenmarsch zeigte keine Fratze, sondern ein lustig-skurriles Gesicht. Mahler light - wenn sich im Finale dann nicht doch der „Ausbruch von Verzweiflung“ (Mahler) wunderbar mit den feinen Natur-Reminiszenzen des ersten Satzes verbunden hätte.

Am Ende also verdiente Ovationen für Orchester und Dirigent, die sich mit Edward Elgars „Chanson de Matin“ bedankten.

Von Werner Fritsch

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