„Orpheus“ bis Hasenspaß: Die neue Spielzeit des Kasseler Staatstheaters

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Das Führungsteam am Staatstheater, hinten von links: Oberspielleiter Patrick Schlösser, Tanzdirektor Joahnnes Wieland, Generalmusikdirektor Patrik Ringborg, Leiter des Kinder- und Jugendtheaters Dieter Klinge, Chefdramaturg Michael Volk, vorn von links: Sabine Wendenburg, künstlerische Betriebsdirektorin, Intendant Thomas Bockelmann, Operndirektorin Ursula Benzing.  

Kassel. Aus Liebe steigt Orpheus hinab ins Totenreich, um seine vermisste Eurydike zurück ins Leben zu holen.

Die Liebe in ihren vielfältigen - auch extremen - Spielarten und das Ringen um Identität sind wichtige Themen im neuen Spielplan des Kasseler Staatstheaters, den das Führungsteam gestern im Opernhaus vorstellte.

Einen Paukenschlag gibt es zu Beginn: Die Saison 2012/13 wird am 15. September ungewöhnlicherweise mit einem modernen Tanztheaterstück eröffnet: „Orpheus“ von Hans Werner Henze und Edward Bond. Mit 14 Tänzern, der Choreografie von Tanzdirektor Johannes Wieland, mit Orchester und der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Patrik Ringborg. „Ein Signal, mit dem wir die Sparte Tanz stärken wollen“, sagt Ringborg zur Entscheidung, das Werk des 1926 geborenen Komponisten an den Spielzeitstart zu stellen.

In der Oper geht es dann eine Woche später weiter mit Beethovens „Fidelio“ mit Tenor Johannes An als Florestan und in der Regie von Elmar Gehlen („Hänsel und Gretel“). Opernschwergewichte der Spielzeit sind ferner Mozarts „Così fan tutte“ mit Ringborg und Regisseur Patrick Schlösser (8. Dezember), den besonders die psychologische Figurenführung interessiert.

Wagners „Tannhäuser“ (Ringborg / Lorenzo Fioroni), die unbekanntere Vivaldi-Oper „L’Olimpiade“ und Benjamin Brittens „The Turn Of The Screw“ folgen, so Operndirektorin Ursula Benzing. Als Musical gibt es Andrew Lloyd Webbers „Evita“, inszeniert von Tom Ryser, der in Kassel vor einigen Jahren „Wirrklichkeit“ in einer Mammutproduktion auf der Rathaustreppe gezeigt hatte. Zusammen mit Wiederaufnahmen werden 13 verschiedene Stücke auf dem Musiktheaterspielplan stehen, so Intendant Thomas Bockelmann.

Das Spiel mit Identitäten dominiert auch den Beginn der Saison im Schauspielhaus: Thomas Bockelmann inszeniert Kleists „Amphitryon“, wo Gott Jupiter sich für ein Liebesvergnügen mit Alkmene als ihr Ehemann ausgibt. Auf der Bühne des Schauspielhauses geht es dann mit Shakespeares Komödie „Der Kaufmann von Venedig“ in Patrick Schlössers Regie weiter - „Ein Stück über eine Risikogesellschaft, die nur auf Handel setzt“, erklärt der Oberspielleiter.

Liebe extrem spiegelt Frank Wedekinds „Lulu“, das Sebastian Schug inszeniert, ebenso wie Arthur Schnitzlers „Anatol“, den Charmeur, den Schlösser als „Austrian Psycho“ bezeichnet. Ein Mann, der reihenweise Geliebte verführt und dann vorführt. „Dantons Tod“ vollendet die Beschäftigung mit Georg Büchner - Bockelmann plant ein Wochenende, wo alle drei Dramen des Hessen zu sehen sein können.

Leichtfüßiger wird es mit den Komödien „Wir lieben und wissen nichts“ von Moritz Rinke, inszeniert von Markus Dietz, wo sich zwei Paare in einer leeren Wohnung begegnen, und in Colline Serreaus „Hase Hase“, einem anarchistischen Spaß um eine Hasenfamilie, bei der der pubertierende Sohn denkt, er sei ein Außerirdischer und müsse die Familie retten.

Zwei Uraufführungen sind im tif geplant: Rebekka Kricheldorf bearbeitet das Grimm-Märchen „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“, Katja Hensel das Thema Doppelgänger. Und wenn sich ein Finanzierungsgeber findet, wird es auch wieder ein Sommertheater open-air geben: Goethes „Urfaust“. Peter Seuwen zeigt als Weihnachtsmärchen die „Bremer Stadtmusikanten“.

Alle Termine

Schauspiel

14. September: „Amphitryon“ von Heinrich von Kleist, Inszenierung: Thomas Bockelmann

16. September: „Gier/ Psychose 4.48“ von Sarah Kane, Inszenierung: Martin Schulze, tif

21. September: „Der Kaufmann von Venedig“, Komödie von William Shakespeare, Inszenierung: Patrick Schlösser

23. November: Uraufführung „Testosteron/ Gender Mainstream Apocalypse“ von Rebekka Kricheldorf, Inszenierung: Schirin Khodadadian, tif,

In Zusammenarbeit mit dem Stadtjubiläum Kassel 1100

24. November: „Lulu“, Tragödie von Frank Wedekind, Inszenierung: Sebastian Schug

1. Februar: Uraufführung „Katamarane“ von Katja Hensel, Inszenierung: Annett Hohlfeld, tif

2. Februar: „Dantons Tod“, Drama von Georg Büchner, Inszenierung: Gustav Rueb

23. März: „Wir lieben und wissen nichts“ von Moritz Rinke, Inszenierung: Markus Dietz

10. Mai: „Anatol“ von Arthur Schnitzler, tif

11. Mai: „Hase Hase“ von Coline Serreau, Inszenierung: Patrick Schlösser

28. Juni: Sommertheater: „Urfaust“ von Johann Wolfgang Goethe, Inszenierung: Volker Schmalöer. Diese Inszenierung steht unter Finanzierungsvorbehalt.

Mai/Juni: „Fremd in Kassel“ - Ein theatraler Stadtspaziergang. Ein Projekt von Patrizia Schuster, in Zusammenarbeit mit Kassel 1100

Musiktheater

22. September: „Fidelio“ - Oper in zwei Aufzügen von Ludwig van Beethoven, musikalische Leitung: N.N., Inszenierung: Elmar Gehlen

27. Oktober: „Die Csárdásfürsten“ - Operette in drei Akten von Emmerich Kálmán, musikalische Leitung: Alexander Hannemann, Inszenierung: Dominique Mentha

2. November: „Das tapfere Schneiderlein“ - Kleine Oper mit einem lustigen Helden für Kinder nach den Brüdern Grimm von Wolfgang Mitterer, tif

8. Dezember: „Così fan tutte“ - Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart, musikalische Leitung: Patrik Ringborg, Inszenierung: Patrick Schlösser

26. Januar: „Evita“ - Musical von Andrew Lloyd Webber, musikalische Leitung: Alexander Hannemann, Inszenierung: Tom Ryser

9. März: „L'Olimpiade“ - Dramma per musica in drei Akten von Antonio Vivaldi, musikalische Leitung: Jörg Halubek, Inszenierung: Lisa Marie Küssner

27. April: „Tannhäuser“ - Handlung in drei Aufzügen von Richard Wagner, musikalische Leitung: Patrik Ringborg, Inszenierung: Lorenzo Fioroni

15. Juni: „The Turn Of The Screw“ - Oper in einem Prolog und zwei Akten von Benjamin Britten, musikalische Leitung: N. N. , Inszenierung: Paul Esterhazy

22. Juni: Theater-Jugendorchesterprojekt

Tanz

15. September: „Orpheus“ von Hans Werner Henze und Edward Bond, musikalische Leitung: Patrik Ringborg, Choreografie: Johannes Wieland, Opernhaus

23. Februar: „Golddigger“ Tanztheater: Ein Stück von Johannes Wieland, tif

12. April: „Readymade“ Tanztheater: Ein Stück von Chris Haring und Johannes Wieland, Schauspielhaus

Juni: Choreografische Werkstatt, tif

Kinder- und Jugentheater

23. September: Uraufführung „Anne Frank“ nach „Anne Frank: Tagebuch“ in einer Bühnenfassung von Dieter Klinge, Inszenierung: Dieter Klinge, tif

14. November: „Die Bremer Stadtmusikanten“ von Peter Seuwen nach dem Märchen der Brüder Grimm, Inszenierung: Peter Seuwen, Opernhaus

17. März: Uraufführung „Nur ein Ei“ von Martin Baltscheit, Inszenierung: Dieter Klinge, tif

28. April: „Türkisch Gold“ von Tina Müller, tif

Von Bettina Fraschke

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