Oscar für die Eiserne Lady: Meryl Streep im Interview

Meryl Streep greift eisern durch! Allerdings nur in ihrer Rolle als britische Premierministerin Margaret Thatcher in Phyllida Lloyds „Die Eiserne Lady“. Für ihre präzise Interpretation der Politikerin erhielt sie jetzt den Oscar als beste Hauptdarstellerin.

Wie sie sich auf diese Rolle vorbereitet hat und was sie an Thatcher schätzt, erzählt sie im Interview.

Herzlichen Glückwunsch zum Oscar! Was war die größte Herausforderung bei der Darstellung Margaret Thatchers?

Meryl Streep: Ich musste viel mehr lesen als gewohnt, um den Ereignissen in ihrem Leben gerecht zu werden. Ich musste mich in ihren Charakter hineinversetzen und zudem einen Zugang zu ihrer Persönlichkeit im hohen Alter finden, die nicht mit Fotos oder Videos dokumentiert ist. Das war eine große Herausforderung, allerdings war es wirklich unglaublich, dabei mehr und mehr über diese kontroverse Frau zu lernen.

Ist es deprimierend, sich selbst als gealterte Frau zu sehen?

Streep: Ich sehe jeden Tag, dass ich alt bin. Das Seltsame ist, dass man sich in Filmen dauernd als jüngeren Menschen sieht. Der Kontrast ist schockierend. Doch ich habe einen Sohn und drei Töchter, sodass ich mich und meinen Ehemann immer als jung wahrnehme.

Im Film sagen Sie, früher ging es darum, etwas zu tun und jetzt nur noch darum, jemand zu sein. Wie denken Sie darüber?

Streep: Ich denke, es geht dabei um die fehlende Authentizität. Unsere öffentlichen Persönlichkeiten werden immerzu mit sich selbst konfrontiert. Dadurch sind wir im Informationszeitalter vorsichtiger als früher. Das trifft auch auf das Filmemachen zu. Für einen Regisseur ist es sehr schwer, an der eigenen Vision festzuhalten. Ihm wird gesagt, dass man es in Los Angeles ausprobiert hätte, es dort zunächst nicht verstanden hätte und mehr Action drin sein müsste. So werden heute Filme gemacht. Es ist also verständlich, warum Thatcher so etwas gesagt haben könnte.

Geht es in der Politik heute mehr um Gefühle als um Ideen?

Streep: Was Drehbuchautorin Abi Morgan wohl meinte, war das Stillen der emotionalen Bedürfnisse der Wähler. Es soll nicht so aussehen, als ob man gemein und unbarmherzig wäre. Es hat nichts mit echten Gefühlen zu tun, sondern damit, positiver rüberzukommen.

Wird trotz allen Streits um ihre Person heute die Klarheit von Thatchers Politik vermisst?

Streep: Es ist sicherlich erfrischend, wenn Menschen exakt das sagen, was sie denken und es durchziehen. Auf diese Weise kennt man wenigstens seinen Feind.

Im Film sagt Thatcher: „Das eigene Leben muss eine Bedeutung haben.“ Wie trifft das auf Ihr Leben zu?

Streep: Ich glaube, ich habe mehr Chancen als die meisten Schauspieler erhalten, wirklich interessante Charaktere zu spielen. Diese Chance zu bekommen, macht 90 Prozent des Jobs aus. Die Gelegenheit zu ergreifen und sie zu realisieren, ist das, was ich in meinem Leben versucht habe.

Welche Eigenschaften Thatchers haben Sie schätzen gelernt?

Streep: Es gab Dinge, die mich wirklich überrascht haben, beispielsweise, dass sie keinen Koch hatte. Wenn ich Premierministerin von England wäre, hätte ich einen Koch. Doch sie kochte gern selbst. Sie besaß bekanntermaßen große Ausdauer. Mehr als vier oder fünf Stunden Schlaf pro Nacht brauchte sie nicht.

Am Ende haben Sie sie also gemocht.

Streep: Am Ende war ich überrascht. Wir denken alle, dass wir alles wissen, nicht wahr? Doch ich werde immer wieder überrascht. (Ricore)

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